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Ein noch nicht ganz erwachsenes, chaotisches und kreatives Hippie-Mädchen schreibt hier alles auf, was ihr gerade durch den Kopf geht :)

Freitag, 10. Februar 2017

The modern days #51

> Die Rückfahrt gestaltete sich recht trostlos.
Still fuhren wir das kurze Stück zurück zur Ruine des Millenium.
„Alice…“, brach Alex schließlich das Schweigen.
Ich sah ihn an.
Er seufzte und rieb sich mit einer Hand über die Augen.
„Alice… ich…“
Mein Herz schlug schneller.
„Ja?“, hakte ich nach, nicht sicher darüber, was er sagen wollte.
„Ich habe Angst!“, gestand er schließlich.
Ich verzog den Mund. Das war nicht ganz was ich hören wollte, aber okay…
Auch ich seufzte.
„Glaubst du denn, ich nicht? Aber wir müssen nicht mehr lange durchhalten! Einen Tag, vielleicht zwei. Und dann sind wir wieder raus. Wir brauchen nur noch einen Beweis, dass Boss hinter Amelias Tod steckt!“, erklärte ich überzeugt, Alex nickte.
„Ich bin froh, dass wir das zusammen durchstehen!“, murmelte er, sah kurz zu mir herüber und bedachte mich mit einem schüchternen Lächeln.
Ich drückte seine Hand.
„Das bin ich auch!“, erwiderte ich sanft.
Sogleich erreichten wir die Einfahrt des Parkhauses.
Ich parkte den Q7 auf dem ihm vorbestimmten Parkplatz; Alex stieg aus und rannte geschwind um den Wagen herum, um mir die Tür aufzumachen.
Ganz überrascht sah ich ihn an.
„Wie zuvorkommend!“, meinte ich lächelnd, Alex machte einen kurzen Knicks und grinste.
„Ich bin eben ein Gentleman!“, erwiderte er schamlos.
Ich hakte mich bei ihm unter und wir schlenderten die Treppe hoch, zum Stockwerk der Funk.
„Gott sei Dank haben wir immer uns – unter all den Verrückten…“, murmelte Alex, bevor er die Tür öffnete und viel zu laute Technomusik bis in den Gang hinaus schallte.
Ich rollte mit den Augen.
David.
Alex drehte sich schnell zu mir um.
„Hey, wie wärs: ich schnorr uns was zu essen aus der Küche und wir verziehen uns für den restlichen Tag ins Zimmer? Ich habe keine Lust auf die anderen…“, flüsterte er, ich atmete erleichtert aus.
Was ein wundervoller Vorschlag!
Ich versuchte meine Begeisterung zu zügeln und nickte lächelnd.
„Das wäre schön“, antwortete ich ihm.
Alex lächelte sanft.
„Schön. Dann geh schon mal vor und verpfeif mich nicht an Tanja, weil ich gleich ihr selbst gebackenes Brot stibitzen werde!“
Er grinste und zwinkerte mir zu, ich kicherte wie ein kleines Mädchen und drehte mich schnell um, bevor ich rot anlief.
Meine Güte, ich war echt verliebt und das war so gar nicht nach Plan verlaufen!
Total eilig rannte ich förmlich zu unserem Zimmer, schritt hinein und schloss gleich daraufhin mit pochenden Wangen die Tür hinter mir.
Mit klopfendem Herzen lehnte ich dagegen.
Oh. Mann. Was. Soll. Das. Noch. Werden?
Ich hüpfte vorfreudig ins Badezimmer, kämmte meine Haare, wusch mir mein Gesicht und trug nochmal Deo auf – als auch schon die Tür geöffnet wurde.
„Tanja hat mich erwischt und mich fast umgebracht, aber ich konnte entwischen!“, rief Alex und lachte dann.
„Wie heldenhaft!“, konterte ich und ging aus dem Bad zurück ins Zimmer.
Alex grinste mich an, als er auf das Buffet – ja das war es wirklich – neben sich auf dem Bett zeigte.
Ich setzte mich ihm gegenüber auf die Matratze, kippte dabei beinahe die Flasche mitgebrachten Wein um, konnte sie aber gerade noch so auffangen.
„Wein? Du trinkst keinen Alkohol Alex!“, erwiderte ich, als würde ich es ihm ins Gedächtnis rufen.
Er schmunzelte.
„Als wüsste ich das nicht selbst. Keine Sorge, das ist tatsächlich nur selbst gemachter Himbeersaft von Tanja, den sie in alte Weinflaschen von David füllt!“
Ich nickte wissend.
„Du hast ja ganz schön was aufgetischt. Wer soll das denn alles essen?“, fragte ich, eher mich selbst.
„Na hör mal, wir werden das Zimmer heute nicht mehr verlassen! Ich habe genug Proviant für den Türkisch für Anfänger Marathon den wir uns ansehen, das war doch der Plan des Abends?“
Ich zog die Stirn kraus.
„Wann genau haben wir das mit Türkisch für Anfänger beschlossen? Also, ich finde die Idee genial, aber wie um alles in der Welt willst du das überhaupt schauen?“, fragte ich, komplett verwundert.
Alex grinste schelmisch.
Wie ich dieses Grinsen liebte!
Dann zauberte er ein kleines Dings hervor – ich wusste nicht so recht, was es war.
„Also ich muss mich kurz für meinen genialen Verstand loben. Ich wusste, die Idee würde dir gefallen. Und zum Thema Umsetzung: Das hier ist ein Mini-Beamer. Darauf kann man verschiedene Dateien speichern und irgendwer hat eben mal die Serien da drauf gezogen. Ich hab ihn zufällig bei dem anderen Technik Krams im Wohnzimmer gesehen und dachte, das könnte uns den Abend versüßen!“
Ich sah Alexander schwärmerisch an.
„Ja, das tut es bestimmt!“
Wir verbrachten einen wundervollen Abend.
Alex‘ geklautes Menü schmeckte wunderbar.
Der Mini Beamer funktionierte besser wie ich erwartet hatte und wir suchteten uns durch die komplette erste Staffel Türkisch für Anfänger.
Irgendwann wurde ich ziemlich müde, weil ich auch total vollgefressen war, und rollte mich auf Alexanders Schoß zusammen.
Liebevoll streichelte er mir über die Wange.
„Schlaf ruhig Baby, ich räum hier noch kurz auf…“
Seine warme Stimme benebelte mich förmlich. Und ehe ich mich versah, war ich ins Land der Träume gekehrt. <