Was findest du hier?

Ein noch nicht ganz erwachsenes, chaotisches und kreatives Hippie-Mädchen schreibt hier alles auf, was ihr gerade durch den Kopf geht :)

Mittwoch, 9. November 2016

The modern days #50

> Der Junge brauchte noch ein wenig länger, bis Alex es ihm begreiflich gemacht hatte, dass die schwarzen Linien auf seinem Arm ein wenig länger haften würden wie gewöhnlicher Edding.
Doch schließlich war Bastelstunde angesagt und der kleine Kerl verabschiedete sich.
In jenem Moment kam auch besagter Florian zu uns.
Ich erkannte ihn sofort – blutunterlaufene Augen, total abgemagert. Genau so stellte man sich doch einen Drogenjunkie vor, oder nicht?
Alex und ich erhoben uns, ich räusperte mich.
„Schön, dass es endlich Winter wird“, meinte ich mit ernster Stimme, Florian nickte bedächtig.
„Ja, denn ich liebe Schnee!“, erwiderte er leise.
Alex nickte.
Diese Sätze waren die Erkennungszeichen der Funk in diesem Monat. Wir hatten also tatsächlich gleich den Richtigen erwischt.
Florian machte eine Kopfbewegung nach rechts, um uns zu bedeuten, mitzukommen.
Wir folgten ihm aus dem Raum heraus, selbst aus dem Gebäude bis hin zum kleinen, verlassenen Parkplatz auf dem lediglich drei Autos – unseres ausgenommen – standen.
„Also… habt ihr alles?“, fragte Flo und trat dabei nervös von einem Fuß auf den andern.
Alex nickte ernst, doch er bemühte sich nicht, das Päckchen heraus zu holen.
Florian wurde wütend.
„Ja was ist denn jetzt? Ihr seid doch extra gekommen um zu dealen oder nicht?“, keifte er uns an, ich wich möglichst unmerklich einen kleinen Schritt zurück.
Alex baute sich vor Florian auf.
„Wir haben das Zeugs. Und du wirst es auch kriegen. Aber verdammt – das hier ist ein Kindergarten! Wenn auch nur eines der Kinder hier sieht was du treibst oder etwas von diesem Dreckszeugs in die Hände bekommt, dann werde ich dich eigenhändig umbringen!“, erklärte er mit solch scharfer Stimme, dass selbst mir etwas mulmig wurde.
Aber ich konnte ihn verstehen. Er bezog das ganze hier auf Nic und ihn. Kein Kind sollte schlimme Erfahrungen machen müssen, und Alex wusste, wie schwer es war, eine solche Beziehung wahrheitsbasiert zu führen.
Florian rollte nur mit den Augen.
Dann streckte er fordernd die Hand aus und winke zu sich.
„Halt mir keine Reden, davon kriegt schon niemand was mit. Her jetzt damit. Ich bezahl es ja auch!“, meinte er.
Alex seufzte, kramte das kleine Päckchen aus seiner Hosentasche und überreichte es – mit deutlichem Widerwillen – dem Kunden.
Ich seufzte ebenfalls, aber vor Erleichterung.
Flo drückte uns ein paar Geldscheine in die Hand und sprintete dann zurück in das Kindergartengebäude.
Ich drehte mich zu Alex um, der wütend die Fäuste geballt hatte.
Ich biss mir auf die Lippe, ging auf ihn zu und löste seine gekrampften Finger, sodass ich meine mit den seinen verkreuzen konnte.
„Komm. Hauen wir ab!“
Alex ließ sich mitziehen und setzte sich total bekümmert auf den Beifahrersitz.
Gerade, als ich den Motor starten wollte, schnaubte er.
„Alice, ich kann diesen Scheiß nicht mehr lange mitmachen. Ganz ehrlich, dieses Kapitel in meinem Leben sollte schon längst vorüber sein – diese ganzen Deals reißen nur alte Wunden auf. Wir müssen einfach so schnell wie möglich herausfinden, was mit deiner Schwester passiert ist. Und dann, so leid es mir für manche tut, gehört dieser Fall der Polizei übergeben“ <