Was findest du hier?

Ein noch nicht ganz erwachsenes, chaotisches und kreatives Hippie-Mädchen schreibt hier alles auf, was ihr gerade durch den Kopf geht :)

Samstag, 29. November 2014

The modern days #18



> Das letzte mal, dass ich Alex gesehen hatte, war die Nacht in der Bar. Da hatte er mich einfach abgewimmelt, beziehungsweise Chantal (die entzückende alte Dame) hatte mich hinaus geschmissen.
Natürlich ist er die nächsten Tage unerklärlicher Weise nicht zur Schule gekommen, wie so oft auch. Doch auch wenn ich ihn nicht sah, verfolgte mich dieser mysteriöse Zettel. Ich konnte Tag und Nacht an nichts anderes als "Schönheitskuren" denken. Was ist damit nur gemeint?
Es war mal wieder Montag und ausnahmsweise traf ich Alex in der großen Pause, wie er einsam und allein auf einem der Felsen saß, auf welchen ich ebenfalls gerne verweilte. 
Das bot mir die Chance, ihn noch mal auf die Nachricht anzusprechen. Denn ich werde ganz sicher nicht aufgeben!
„Du hast meine Frage immer noch nicht zu 100% beantwortet, wobei das auch nicht die einzige meiner Fragen war. Also, wann hat der werte Herr wieder Zeit, um mir ein paar Antworten zu liefern?“
Alex sah überrascht auf, zog sich Kopfhörer aus den Ohren und runzelte die Stirn.
Heute hatte er seine Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden, was mich leicht irritierte, sein Gesicht sah noch viel kantiger aus als sonst.
„Wie bitte?“, fragte er, ich seufzte. Dann setzte ich mich neben ihn auf den Stein, darauf bedacht, ihn nicht zu berühren. Sein Blick wurde nicht minder merkwürdig.
„Wann hast du Zeit, dich mit mir zu treffen? Unser Frage-Antwort-Spiel weiter spielen?“
Alex stand auf, griff sich seinen Rucksack und ging.
Wahrhaftig. Er lief einfach weg.
Warum ist dieser Kerl so ein verdammter Idiot?
Ich warf meine Haare zurück und beeilte mich, ihm hinter her zu rennen.
Das ist so entwürdigend! Ich sollte keinem Kerl hinterher laufen, in jeglicher Hinsicht.
Durch die viel zu langen Beine - an diesem Jungen war alles irgendwie zu lang - waren die dadurch resultierenden riesigen Schritte echt schwer einzuholen.
Doch schließlich schaffte ich es, mir den Ärmel seines schwarzen Kapuzenpullovers zu schnappen und daran zu ziehen.
Alex stolperte und stieß so etwas wie ein Knurren aus, als er sich zu mir umdrehte.
Plötzlich wurde mir wieder bewusst, was er mir an den Kopf geworfen hatte, als wir uns das erste Mal begegnet hatten. Ich solle tot sein.
Ich schluckte.
Ja, Alex machte mir definitiv Angst. Aber ich tue das Ganze, um den mysteriösen Tod meiner Schwester aufzudecken.
Ich atmete tief durch.
„Das war ausgemacht. Antwort gegen Antwort. Und ich bin nicht das kleine, introvertierte Mädchen, das du vielleicht in mir gesehen hast. Oh nein, seit ich dich kenne, habe ich so viel Mut wie noch nie. Mut dazu, einem Feigling wie dir meine Meinung zu geigen."
Alex runzelte die Stirn.
„Feigling? Du beschimpfst mich als Feigling?“
Empört schrie er mich förmlich an.
Ich hob beschwichtigend die Hände.
„Ja, denn offensichtlich beweist du mir hier gerade nicht das Gegenteil!“
Ich sah, wie Alexander mit sich rang, mir nicht inmitten all er anderen Schüler alles an den Kopf zu werfen, was er gerade wollte.
Mit viel Beherrschung atmete er tief durch.
„Ich weiß ja überhaupt nicht, was du von mir willst. Erst willst du etwas über Amelia herausfinden, doch dann interessiert dich meine persönliche Geschichte viel mehr, als mir lieb ist. Also, was zur Hölle verlangst du von mir? Willst du mein Tagebuch lesen oder so? Sag mir einfach, was du wissen willst. Und solange es nichts mit meiner Familie zu tun hat, werde ich deine Fragen womöglich weiterhin beantworten.“
Ich setzte zu einer Antwort an, doch Alex fügte noch etwas zu seiner Ansprache hinzu.
„Und du wirst nicht mehr meine Wohnung betreten. Ich will nicht, dass du noch mal mit Nic in Kontakt trittst, egal wie. Babysitter hin oder her, das war eh nur eine einmalige Sache, aus der Not heraus. Ich habe ihm gegenüber, so gut es ging, nie etwas von meinen Machenschaften in der Funk erwähnt. Aber durch dich gerät das alles außer Kontrolle. Also, ein erneutes Treffen findet von mir aus wieder statt, aber außerhalb meiner vier Wände und nicht in der Gegenwart meines kleinen Bruders!“
Ich nickte.
„Gut, das akzeptiere ich.“
Ich versuchte, so aufrichtig wie möglich zu klingen. Auch wenn man es mir jetzt nicht ansah, dass mit Nic machte mir echt zu schaffen.
Dieser kleine Kerl hatte mir weis machen wollen, Alex hätte mir vertraut. Weshalb sonst hätte er auch meinem Angebot zugestimmt? Aber jetzt sah die ganze Sache anders aus.
So wie ich das feststellen konnte, hasste Alex mich.
Kann es denn anders sein, bei diesen Worten, die er mir wutentbrannt an den Kopf wirft?
Ich schloss für einen kurzen Moment die Augen.
Es ist mir egal.
Diesen Satz musste ich verinnerlichen.
Es ist mir egal. Egal, dass dieser junge Mann mich hasste – an dieser Schule würde ich eh keine Freunde finden.
Ich durfte trotz allem schlichtweg mein Ziel nicht aus den Augen verlieren. Amelia ist gestorben. Die Polizei meinte, es war Selbstmord. Aber ich kann das nicht glauben.
Meine Schwester mag zwar verschwunden sein, auf unerklärliche Weise. Aber wenn sie Probleme gehabt hatte, hätte sie mit mir geredet.
Drei Jahre ist das schon her. Ihr Tod eineinhalb.
Ich schluckte.
Die Geschichte musste einfach einen Haken haben, sie hatte zu viele Leerstellen.
Und diese Leerstellen galt es zu füllen, mit Alexanders Hilfe. Sonst würde ich meinen Frieden nicht mehr finden, nicht in diesem Leben.
Alex seufzte.
„Also, wann gedenkt es der jungen Dame denn, ein Treffen mit mir zu arrangieren?“
Ich schnaubte.
„Ich bin nicht die Person, welche so gut wie nie in der Schule ist und sonst sein halbes Leben generell nie Zeit hat. Also schlag du einen Termin vor“
Alex grinste. Ein Grinsen, das nichts Gutes bedeuten konnte.
„Wie wäre es mit Jetzt? Ich weiß, dass du jetzt Musik hättest. Und ich Geschichte. Keine Fächer, die lebensnotwenig sind. Es wird keinem auffallen, wenn wir nicht da sind“, schlug Alex vor. War ja klar, dass er nur solche Ideen hatte.
Ich zog überrascht die Augenbrauen nach oben.
Aber er hatte wohl recht. Alex schwänzte ja sowieso die ganze Zeit und mich würde generell niemand vermissen.
Ich straffte die Schultern und stellte mich aufrecht hin.
„Gut. Wir hauen ab. Wir könnten zu mir fahren.“
Alex zuckte nur mit den Schultern.
„Ist mir gleich. Ich bin mit dem Auto da, ich fahr uns.“
Wow, der Typ ist gleich mit meiner Idee einverstanden? Na gut, soll mir nur recht sein.
Ich schickte Alex schon vor zum Parkplatz, ich musste noch meinen Rucksack aus dem Aufenthaltsraum holen – ohne dass mich jemand bemerkte.
Es klingelte gerade zum Pausenende.
Den Tumult der umherirrenden Schülerschaft nutzte ich, um mir meine Tasche zu schnappen und unbemerkt das Gebäude zu verlassen.
Dann rannte ich so schnell wie möglich zum Parkplatz.
Schon aus der Ferne konnte ich Alex ausmachen, wie er an seinem Auto lehnte – und rauchte.
Ich rümpfte die Nase.
Das gefiel mir ganz und gar nicht. Dieser Kerl will seinen Bruder vor mir schützen, aber verpestet seine Welt mit gefährlichem Rauch? Tolle Logik.
Selbstbewusst lief ich auf Alex zu. Er zog an seiner Zigarette und blies den Rauch in die kalte Luft.
Dieser Zug wird definitiv sein letzter gewesen sein!
„Endlich bereit?“, fragte Alex, stieß dabei sanfte Rauchwolken aus.
Beim Auto angekommen, nahm ich die Zigarette aus seiner Hand, warf sie auf den Boden und zertrat sie mit dem Absatz meiner Stiefel.
Dann lächelte ich gestellt.
„Ja, jetzt bin ich bereit“
Alex verdrehte nur die Augen und ließ mich in den Wagen steigen.
„Du riechst genauso wie die Luft im Nightmare. Du solltest aufhören, zu rauchen. Schadet dir nur, Kleiner“, meinte ich und sah stur gerade aus.
Alex starrte mich an, ich spürte seinen Blick auf mir.
„Wann wirst du aufhören, mich zu provozieren, Miststück?“, fragte er, ich sah ihn nun mit offenem Mund empört an.
„Du hast damit angefangen, mich zu provozieren. Und falls du glaubst, dass ich Miststück jemals damit aufhören würde, mich zu revanchieren, hast du dich geschnitten!“ <

Freitag, 28. November 2014

The modern days #17



> „Was, zum Teufel, ist das?“, rief ich quer über den ganzen Lärm und klatschte den Zettel auf die Theke.
Völlig verwirrt bin ich, nachdem ich Niclas nach Hause gebracht hatte, zum „Nightmare“ gefahren.
Dank dem Navi konnte ich mich durch die verschiedenen Gassen kämpfen und war schließlich kurz nach elf vor besagter Bar.
Der Schuppen sah total zwielichtig aus, ich hätte nie in meiner Freizeit von selbst entschieden, solch ein Etablissement zu betreten.
Aber dieser Zettel hatte meine Gedanken komplett weg driften lassen.
Hatte Alex etwa das Leben seines Bruders riskiert, um seine eigene Haut zu retten? Oder war es genau andersherum?
Das verstörte mich alles komplett.
Also hatte ich beschlossen, Alex einen kurzen Besuch abzustatten, um ihn zur Rede zu stellen.
Ich hatte die Bar betreten und habe erst einmal einen Hustenanfall bekommen. Rauchverbot war für Chantal wohl ein Fremdwort, aber damit musste ich wohl oder übel leben.
Die Belegschaft war allesamt ü 40, männlich und keinesfalls attraktiv. Ein kalter Schauer durchfuhr meinen kompletten Körper, als sämtliche Blicke auf mich fielen.
Dennoch so selbstbewusst wie möglich kämpfte ich mich vor zur Bar. Dort sah ich Alex als einen der zwei Barkeeper, steuerte auf ihn zu und knallte das Papier auf den Tisch.
„Was machst du hier?“, rief er mir entgegen.
Ich sah ihn empört an.
„Was ich hier mache? Ich versuche, mir unser Leben zu erklären.“
Eine Dame, definitiv von der Zeit gezeichnet, kam neben Alex und sah zwischen uns hin und her. Sie trug stechend gelben (!) Lidschatten kombiniert mit knallrotem Lippenstift.
„Stress mit deiner Freundin, Kleiner?“, fragte sie mit einer solch tiefen Stimme, die mich irritierte.
Alexander schüttelte nur den Kopf.
„Sie ist nicht meine Freundin“
Die Frau lachte auf.
„Oh, Stress mit deiner Ex-Freundin?“, fragte sie grinsend.
Ich stöhnte.
„Ich bin weder das eine noch das andere. Kann ich mir ihren Kleinen trotzdem mal kurz ausleihen?“, fragte ich, Alexander sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an.
Die Frau lachte nur weiter, verfiel in einen grässlichen Husten und wedelte mit der Hand. Somit bedeutete sie Alex, kurz Pause machen zu können.
Dieser zuckte nur unbeeindruckt mit den Schultern, legte das Handtuch, mit dem er gerade ein Glas getrocknet hatte, hinter die Theke und ging durch eine schmale Tür dahinter hervor.
Er nahm meine Hand und zog mich, wie so oft, hinter sich her, weiter in die Bar hinein.
Wir erreichten eine kleine Nische, in der ein paar Sitzsäcke lagen.
Alex bat mich, mich zu setzen, während er die schwarze Schürze um seine schmale Hüfte löste und sie neben sich auf den Boden legte.
Dann fuhr er sich durch die Haare und sah mich müde an.
„Also, sprich. Was ist los?“
Ich übergab ihm das Stück Papier.
Er warf einen kurzen Blick darauf, zerknüllte es dann in seiner Faust und schleuderte es auf das kleine Tischchen zwischen uns.
„Warum besitzt du das? Wie hast du das gefunden?“
Ich sah ihn mit einem stechenden Blick an.
„Na ja, Nic hatte mich gebeten, die Küchentür zu schließen und da ist mir dieser Zettel ins Auge gesprungen.“
Ich atmete tief durch.
„Bitte, ich bitte dich inständig, sag mir, dass du deinen Bruder nicht in das alles mit hinein gezogen hast.“
Alex starrte mich an.
„Spinnst du? Ich würde doch nie im Leben meinen kleinen Bruder in die Sache einbeziehen. Nic ist mein Leben! Mehr als das!“
Er fuhr sich erneut durch seine zu langen Haare.
„Du hast doch nicht im Ernst geglaubt, dass ich das Leben meines eigenen Bruders für meins eingetauscht hätte. Das hätte ich mir niemals verzeihen können“
Alex wirkte völlig as der Fassung geraten.
Dann streckte er die Hand nach dem Zettel aus, doch ich kam ihm zuvor und schnappte ihn mir. Alexander sah mich bedrohlich an.
„Gib mir das Papier. Ich will es ein für alle mal vernichten. Das hätte ich sowieso schon tun sollen, nachdem ich das mit der Funk beendet hatte“
Ich schüttelte den Kopf.
„Erst sagst du mir, was du getan hast. Wenn Niclas nicht involviert war, was hast du dann getan?“
Alex stand empört auf und griff sich seine Schürze.
Er drehte sich auf dem Absatz um und stiefelte nach vorne, zum Tresen.
Ähm… Hallo? Jetzt spielt der die beleidigte Leberwurst oder was?
Ich beeilte mich, mich aus dem Sitzsack zu erheben und rannte Alexander nach.
Er stand schon wieder hinter der Theke und versorgte einen der alten Herren mit reichlich Schnaps.
Ich drängelte mich weiter vor und quetschte mich neben den Typen auf einen Barhocker.
„Heee, Kleene, kann ick dich auf n juten Drink einladen?“
Angeekelt sah ich den offensichtlich aus Berlin stammenden Kerl an und schüttelte den Kopf.
Alex stellte lautstark ein weiteres Schnapsglas auf den Tisch und lenkte die Aufmerksamkeit auf ihn.
„Herbert, kümmere dich lieber um das hier. Das Mädchen gehört zu mir“
Ich warf Alex einen wütenden Blick zu.
„Ich gehöre nicht zu dir, verdammt. Warum denkt das denn jeder? Und kannst du jetzt bitte meine Frage beantworten? Was ist damals passiert?“
Alex seufzte.
„Du wirst nie aufgeben, oder?“, fragte er, danach füllte er Herberts Glas wieder auf.
Ich schüttelte den Kopf, meine Locken hüpften wild umher.
„Ich habe ein Ritual vollzogen, die Schönheitskur, von der hier die Rede ist. Aber schön ist das ganz und gar nicht! Bist du jetzt zufrieden?“, fragte er, ich sah ihn entsetzt an.
Dann schüttelte ich erneut den Kopf, woraufhin Alex seine Augen verdrehte.
„Was meinst du damit?“, wollte ich wissen und runzelte die Stirn.
„Mit der Schönheitskur, was meinst du damit?“
Alex schüttelte nur den Kopf.
Er machte sich daran, ein paar Gläser abzutrocknen.
„Das willst du eher nicht wissen…“
Unvermutet begann er zu lachen.
„Wobei… Du bist die absolut neugierigste Person, die ich je kennengelernt habe. Vermutlich würdest du es sogar wissen wollen, wenn es deinen Tod bedeuten würde“ <

Dienstag, 25. November 2014

The modern days #16



> „Okay, ich denke, das war genug Mathe für heute. Es ist schon spät, ich sollte dich nach Hause bringen!“, sagte ich zu Niclas, als ich einen Blick auf die Uhr geworfen hatte.
Es war schon fast neun Uhr abends, wir hatten ziemlich lange zusammen gelernt, aber irgendwann muss ja auch mal Schluss sein.
Alexanders Bruder nickte und räumte seine Schulsachen zusammen.
Ordentlich sortierte er es in seinen Rucksack und schloss den Reisverschluss.
Dann stand er auf, schob seinen Stuhl danach wieder an den Tisch und schulterte den Rucksack.
„Alles klar, gehen wir!“
Nic folgte mir hinunter und zog sich seine Schuhe an, während ich nach dem Autoschlüssel suchte.
Meine Mutter bewahrte ihre Wertsachen generell irgendwo in ihrem Arbeitszimmer auf – wo sie die meiste Zeit ihres Lebens verbrachte.
Also sah ich zuerst in ihrem Schreibtisch nach, wo ich ihn auch glücklicherweise gleich fand.
Niclas wartete schon geduldig im Flur auf mich, wo ich mich beeilte, in meine Sneaker zu schlüpfen und meine schwarze Lederjacke anzuziehen.
Wir verließen die Wohnung, unsere Schritte knirschten im Kies der Einfahrt.
„Ist das dein Auto?“, fragte Nic, als er auf dem Beifahrersitz saß und sich anschnallte.
Ich schüttelte den Kopf und stellte den Rückspiegel auf meine Höhe ein.
„Nein, schön wär’s. Das Auto gehört meiner Mutter, aber sie benutzt es so gut wie nie, weil sie zur Arbeit laufen kann!“
Niclas nickte.
Ich startete den Motor, manövrierte mich an den anderen parkenden Autos des Platzes vorbei und bog auf die Straße ein.
„Was arbeitet deine Mama?“, fragte Nic und schaute gedankenverloren aus dem Fenster.
Das Licht der Straßenlaterne fiel sanft auf sein Gesicht und ließ seine Augen in dunklem türkis leuchten.
„Sie ist Ärztin. Ihre Praxis ist nur ein paar Häuser von unserer Wohnung entfernt, weshalb sie dort hin kein Auto benötigt. Wäre das nicht so, müsstest du jetzt nach Hause laufen!“, scherzte ich und grinste.
Nic drehte seinen Kopf zu mir, zog die Augenbrauen kraus und zuckte mir den Schultern.
Ich habe noch nie einen kleinen Jungen gesehen, der auch nur annähernd so nachdenklich und durch und durch misstrauisch ist wie Nic.
Niclas ist echt ein Phänomen – wobei ich glaube, dass das alles mit Alexanders Erziehung zu tun haben musste.
Wenn er schon sein eigenes Leben nicht in den Griff bekommt, wie sollte er dann das seines Bruders managen?
Oder… oder er kümmert sich vollends um Nic, weshalb bei ihm nicht immer alles glatt läuft?
Ich schüttelte den Kopf. Am besten sollte ich erst gar nicht versuchen, diese Familie zu analysieren.
Alex war nur ein Mittel zum Zweck. Und wenn ich meine Antworten nur bekomme, in dem ich Gefallen wie diese erfülle, dann muss es wohl sein.
Die Fahrt verlief relativ unspektakulär.
Die Straßen lagen ruhig vor uns. Als ich in die Hofeinfahrt einbog, war es schon kurz vor zehn.
Ich begleitete Nic nach drinnen und wartete, bis er sich umgezogen und Bett fertig gemacht hatte.
Er trug nun einen bunt gemusterten Schlafanzug und dicke, flauschige Kuschelsocken in grellem Grün.
„Du bist eine echt nette Babysitterin. Danke, dass du mich vor Chantal bewahrt hast!“, meinte Niclas und gähnte.
Ich nickte lächelnd.
„Kein Problem. Wann wird dein Bruder wieder da sein?“
Niclas zuckte mit den Schultern.
„Ich kriege eigentlich nie mit, wenn er wieder kommt. Vermutlich irgendwann gegen Mitternacht“
Ich nickte und verschränkte fröstelnd die Arme vor der Brust. Dieses Haus strahlte keine besondere Wärme aus.
Eigentlich war mir nicht besonders wohl dabei, Nic alleine hier zu lassen. Aber dieser kleine Junge schien mir so selbstbewusst, ich glaube, er ist deutlich erwachsener als sein Umfeld. Solche Situationen wird er wohl gewohnt sein…
„Okay, dann geh mal ins Bett, es ist eh schon spät!“
Nic gähnte wie auf Kommando.
„Kannst du, bevor du gehst, noch die Hintertür der Küche zuschließen? Das macht Alex normalerweise, aber ich komme an das Schloss nicht dran. Bin zu klein!“
Ich nickte schnell.
„Ja klar, kann ich machen. Gute Nacht!“
Niclas schlurfte in sein Zimmer, schloss die Tür hinter sich und ließ mich alleine im Flur stehen.
Ich seufzte, ging also zur Küche.
Ich sah mich in der Küche um, um mich zu vergewissern, dass die Hintertür ebenfalls verschlossen war. Das Schloss bestand nur aus einem kleinen Riegel, der – meiner Meinung nach – bei einem Einbruch nicht viel Sicherheit garantieren würde. Aber das ist wohl eher eine psychisch beruhigende Tatsache.
Gerade wollte ich mich aus dem Staub machen, als mir ein Zettel auffiel. Ein Zettel, wohl eher ein Fetzen Papier, klebend an der oberen rechte Ecke des Küchenschrankes.
Hoch genug, damit Nic nicht drankommt – eine erwachsene Person jedoch schon. Macht Alex so etwas absichtlich?
Ich streckte die Hand nach dem Zettel aus, riss ihn vom Holz ab und begutachtete ihn.
Er war schon von der Zeit gezeichnet, fast komplett vergilbt. Die gekritzelten Buchstaben waren nur schwer zu entziffern.
„Guten Tag Alexander. Du hast dich unserem Willen widersetzt – mal wieder. Du willst wie ein kleines Kind einfach davon laufen. Aber na schön. Gott hat uns einen freien Willen gegeben, also wollen wir auch nicht so teuflisch sein, und deinen unterdrücken. Wir lassen dich gehen. Natürlich nur, nach unseren Regeln. Es funktioniert wie folgt: Entweder, du überlässt uns deinen entzückenden kleinen Bruder als Pfand für dein Leben, oder du unterziehst dich unserer Schönheitskur. Such es dir aus. Eins von beidem, und danach bist du für immer frei.“
Mir blieb die Luft weg.
Was war das denn? <

Sonntag, 23. November 2014

The modern days #15



> „Ich hasse Mathe“, murmelte Nic und kritzelte eine der Aufgaben auf seinem Blatt durch.
Ich lachte.
„Da kann ich dir nur zustimmen. Hey, lass uns mal was essen. Das lenkt super von der Schule ab.“
Alexanders Bruder grinste mich an.
„True story, mal wieder!“
Wir standen beide auf, Niclas folgte mir die Treppe hinunter zur Küche.
„Wie wäre es mit Pizza? Ist zwar nicht das gesündeste Abendessen überhaupt. Aber so weit ich weiß, ist noch was in der Tiefkühltruhe. Hast du Lust?“
Nics Augen wurden auf einmal größer.
Ich begann zu lächeln.
„Also Pizza. Warte einen Moment, ich geh sie schnell holen.“
Ich tapste zur Waschküche, in der auch die Tiefkühltruhe stand, und schnappte mir zwei Pizzas.
Dann ging ich zurück zur Küche.
Nic saß geduldig am Tisch, hatte die Hände gefaltet und strahlte mich förmlich an, als ich zurück kam.
„Kann ich dir irgendwas helfen?“, fragte er, ich lächelte überrascht.
Wie überaus höflich.
Ich schüttelte den Kopf. 
„Nein, schon okay. Ich muss ja nur den Ofen anmachen. Ich glaube, das kriege ich ganz gut alleine hin!“  
Niclas zuckte mit den Schultern.
Ich schob die Pizzas in den Ofen und setzte mich danach Nic gegenüber an den Tisch.
„Alex meint eben immer, dass ich mehr zuhause helfen soll...“, murmelte er, ich grinste.
„Kann es sein, dass er dich manchmal nervt?“
Mich nervt er zumindest.
Nic seufzte und schüttelte den Kopf.
„Ne... also klar, er ist nervig wie jeder andere Bruder. Aber das auch nur selten. Ich sehe ihn ja nicht oft am Tag, wenn dann am Wochenende.“
„Unternehmt ihr oft was zusammen?“
Nic schüttelte erneut den Kopf.
„Actually no. Manchmal gehen wir Fußball spielen oder machen eine Tour mit dem Bike“
Ich lächelte.
„Ihr geht Fahrrad fahren?“
Nic zog die Augenbrauen zusammen und schüttelte – mal wieder – den Kopf.
„Motorrad“
Jetzt war ich es, die überrascht war.
Motorrad fahren? Mit einem Zehnjährigen?
„Ist das nicht gefährlich?“
Nic kicherte. Ich sah, dass ihm ein Eckzahn fehlte. Ein Milchzahn, vermutlich.
„Dangerous? Not really. Aber das machen wir nicht oft. Alex findet ja auch, dass es zu gefährlich ist.“
Ich sah ihn empört an.
„Da hat dein Bruder wohl oder übel Recht!“
Ich denke, Alex ist zuhause der große, zuverlässige Bruder, den Niclas brauchte. Aber außerhalb seiner vier Wände scheint er keinesfalls so herzlich zu sein wie sein kleines Brüderchen.
Nic verdrehte die Augen.
„Mit Erwachsenen kann man nie Spaß haben. Ich will nicht groß werden, habe ich beschlossen“
Niclas verkreuzte die Arme vor der Brust und setzte einen trotzigen Gesichtsausdruck auf.
Ich seufzte und lächelte.
„Na ja… Ich glaube, das lässt sich leider nicht aufhalten. Aber du hast ja noch ein bisschen Zeit, bis du so alt wirst wie dein Bruder!“
Niclas nickte bekräftigend und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.
„Ja Gott sei Dank.“
Ich lächelte. Nic wirkte irgendwie total süß. So ganz und gar nicht wie sein großer Bruder. Anscheinend hatte Alex die bösen und Nic die guten Gene der Familie geerbt.
Nun ja, wobei… Niclas konnte bestimmt genauso gut nerven wie sein Bruder, wenn er nur wollte. Aber gegenüber mir verhielt er sich so niedlich, ihm konnte ich solche rebellischen Züge gar nicht zutrauen.
 „Weißt du schon, was du später mal werden willst?“, fragte ich neugierig, als wir nach geraumer Zeit gegenüber an unserem Küchentisch saßen und Nic freudig in seine Pizza biss.
Um seinen kompletten Mund herum war Tomatensauce verteilt, genauso wie an seinen Händen.
„Polizist!“, murmelte er mit vollem Mund und grinste mich dann an.
Ich sah ihn interessiert an und zog die Augenbrauen nach oben.
„Cool.“
Niclas nickte übertrieben stark, sodass seine blonde Wuschelmähne auf und ab wippte. Ich lächelte amüsiert.
„Yeah! Die bösen Jungs bekämpfen!“, sagte er und nahm sich das nächste Stück Pizza.
Mein Lächeln verschwand auf einmal.
Die bösen Jungs? Ich musste schlucken.
Niclas, ich verklickere es dir ja nur ungern. Aber dein Bruder war mal in einer Drogebande.
Dein Bruder ist definitiv einer von den bösen Jungs! <

Donnerstag, 20. November 2014

It's a boy girl thing - my mind

Hallo ihr da draußen,

oh la la, eine Freundschaft zwischen Jungs und Mädchen... Kann das jemals gut ausgehen?
In Hollywood (natürlich) nicht, aber im realen Leben?
Das ist eines der Streitthemen unserer Gesellschaft, so kommt es mir zumindest vor.
Sind männliche und weibliche Erdenbewohner auch noch zu etwas anderem bestimmt, als dem Drang nach Fortpflanzung?
Leute, das ist echt schwierig zu beantworten.
Aber meiner Meinung nach: ja, ich denke, Mädels und Jungs können super miteinander befreundet sein, auch ohne gleich über einander herfallen zu müssen.
Das scheinen aber nicht alle Leute kapieren zu können.
Mein allseits beliebtes Thema ist hierbei ein Nachtclub. Falls ihr meine letzten Posts verfolgt habt, kennt ihr das Beispiel. Ich denke, frau kann auch mit einem Typen tanzen, ohne gleich mit ihm ins Bett zu wollen, oder?
Das ist doch übertragbar auf ein Freundschaftsverhältnis. Ein Mädchen kann doch durchaus auch mit Jungs abhängen, ohne sich Hals über Kopf in irgendjemanden zu verlieben. Und dasselbe gilt umgekehrt.
Ich glaube, so eine Freundschaft ist zwar irgedwie anders "charakterisiert" als eine Freundschaft zwischen zwei Jungs oder eben zwei Mädchen. Aber das ist definitiv kein negativer Aspekt, genau das macht die ganze Sache doch irgendwie aufregend und anders - auf eine gute Art und Weise.
Komisch wird es nur, wenn dich deine Bekannte darauf ansprechen, ob da wirklich nichts läuft - meint zumindest eine meiner engsten Freundinnen, die so etwas gerade sozusagen erlebt hat.
Befreundet mit einem männlichen Wesen - auch wenn es kein anderer glaubt - das funktioniert tatsächlich.
Na ja, Leute, dazu hat ja sowieso jeder seine eigenen Meinung und es kommt immer ganz auf den Charakter und die Mentalität der betreffenden Personen an.
Und was die Friendzone angeht, das ist wieder ein anderes Extrem. Aber reden wir darüber vielleicht ein ander Mal.
Eure Mademoiselle

Dienstag, 18. November 2014

Homo homini lupus oder so - my mind

Hallo ihr da draußen,

homo homini lupus - so oder so ähnlich bedeutet das "der Mensch ist dem Mensch ein Wolf". Und das widerum bedeutet: Der Mensch führt ständig Krieg gegen alle.
Der Mensch ist von Grund auf böse.
Diese Theorie hat Thomas Hobbes einmal aufgestellt.
Der Kerl ist schon ein paar Jahrhunderte tot, aber im Moment muss ich seine These in gewissem Maße unterstützen.
Wenn man so bedenkt, was mit der IS gerade so abgeht?
Mal wieder ein paar Leute enthaupten, mal wieder ein Viedo drüber drehen, mal wieder den kompletten Verstand abschalten.

Warum ist unsere Welt so verdammt verkorkst und krank und dumm?

Ich freue mich auf den Tag, an dem mir das jemand erklären kann.
Sorry, mehr hab ich dazu auch nicht zu sagen.
Eure Mademoiselle

Sonntag, 16. November 2014

The modern days #14

>

Tagebucheintrag Nr.2 - Amelia

Wow, das mit dem Tagebuch klappt ja ganz gut… auch wenn ich nur alle paar Wochen zum schreiben komme.
Alex ist mittlerweile mein bester Freund. Ich kann ihm alles anvertrauen und dasselbe gilt anders herum. Wir waren gestern auf einer der Partys und ich habe spontan bei ihm übernachtet. Er hat eine Wohnung zusammen mit seinem Bruder Niclas. Ich habe ihn auf einem Bild in Alex’ Schlafzimmer gesehen – ein total süßer Fratz.
Morgen habe ich meinen ersten großen Deal. Alex wird mich begleiten.
Danach bin ich endlich offiziell Mitglied der Funk.
Wie cool ist das denn bitte?
---

Ich hatte das Gefühl, alles dreht sich.
Niclas mochte mich. Tatsächlich, er hatte gesagt, er findet mich nett.
„Ähm… Ich sehe das als Kompliment, oder?“, fragte ich völlig perplex.
Niclas nickte.
„True story. Du bist nett zu mir, das sind nicht viele. Alex vertraut dir auch. Ich mag dich.“
Mir schoss augenblicklich das Blut in die Wangen.
Mein Draht zu anderen Menschen war nie besonders gut gewesen – schon gar nicht zu Kindern. Es wunderte mich also, dass Nic mich mochte, auch wenn wir noch keine zwei Stunden zusammen verbracht hatten.
„Also dann… danke. Aber das ist ja kein Problem für mich, ich helfe dir ja wirklich gerne.“
Was Alex angeht… Keine Ahnung ob er mir wirklich vertraute. Aber wenn sein kleiner Bruder schon so etwas sagte, muss es ja echt außergewöhnlich sein, jemand nettes zu treffen.
Ich runzelte die Stirn und sah wieder zu Nic, der sich auf seine Mathe Hausaufgaben konzentrieren.
„Hey, Nic, meinst du das wirklich ernst? Also, dass du noch nie so jemanden getroffen hast?“
Alexanders Bruder sah auf und zuckte mit den Schultern.
„Was war mit deinen…“
Ich schluckte. Ob er das schon verdaut hatte?
„…Adoptiveltern?“
Nic schüttelt den Kopf, wobei seine strubbeligen dunkelblonden Haare in sein Gesicht fielen.
„Das war nie meine richtige Familie. Ich hab sie auch nie richtig gemocht. Alex war meine Familie. Ist meine Familie.“
Niclas zuckte mit den Schultern.
„Could we please go on doing Math?“
Ich nickte schnell.
„Natürlich. Entschuldige meine Neugier“ <

Mittwoch, 12. November 2014

Short story

Hey ihr da draußen,

ich habe meine alten Deutschsachen durchforstet und bin auf eine Kurzgeschichte gestoßen, die ich mal zu Papier gebracht habe.
Keine Ahnung warum, aber ich dachte, sie gefällt euch vielleicht.
Viel Spaß beim Interpretieren:D


> Hätte sie es anders machen sollen?
Ja.
Aber warum?
War er denn ihre große Liebe?
Nein.
Aber sie leibte ihn trotzdem.
Doch die Arbeit tat ihr übriges. Morgens, mittags, abends Stress.
The Kinks im Radio in der Redaktion. Girl, I want to be with you, all of the time.
Sie mochte das Lied nicht.
Das Geld machte sie glücklich. Die perfekte Arbeit war ein Glücksbringer. Doch Glück hat am Ende niemand mehr gebracht.
Das Schaufenster ist beleuchtet. Recherchen für den neuen Artikel mussten gemacht werden.
Was hat wohl die Beziehung zerstört? Arbeit? Geld? Oder schlicht und einfach die fehlende Akzeptanz?
Sie stand immer noch am Schaufenster.
Das sollte mein Hochzeitskleid sein, dachte sie.
Sie zündete sich eine Zigarette an und blies den Rauch in die schwarze Nacht.
Rauch nicht so viel, hatte er immer gesagt, das macht den Stress auch nicht besser. Und sie hatte nur gequält gelacht.
Es begann zu regnen. Die Tropfen verwischten ihr Spiegelbild im Fenster, das Kleid verschwamm.
Sie begann zu weinen.
Die Zigarette fiel aus der entkräfteten Hand auf den kalten, nassen Boden.
Das Licht der Straßenlaterne erlosch. <

Eure Hobbyautorin

Sonntag, 9. November 2014

The modern days #13



> „Hey, Nic, what’s up?“, rief Alex seinem kleinen Bruder zu, den er anscheinend gerade aus der Menge ausmachen konnte.
Er hatte sich damit einverstanden erklärt, mir den Babysitterjob zu überlassen – wenn Niclas ebenfalls damit klar kommen würde.
Wir waren ausgestiegen und saßen nebeneinander auf einer Bank vor dem Schulgebäude.
Alex stand nun auf, lief durch die Menge der Schüler auf einen der Jungs zu.
Sobald sie das Meer aus Schülern lichtete, sah ich ihn ebenfalls.
Niclas war Alexander wie aus dem Gesicht geschnitten. Dieselben, dunkelblonden Haare und ebenfalls solche stechend blauen Augen.
Niclas war aber im Gegensatz zu seinem Bruder so fröhlich gekleidet, dass man schon bei seinem Anblick lächeln musste. Er trug eine hellblaue Jeans, die unten umgekrempelt über seinen knallroten Chucks lag. Dazu kombiniert hatte er ein grünes Shirt, auf dem ein Ninja Turtle abgebildet war.
Grinsend schleifte er seinen Rucksack auf dem Boden hinter sich her, während er mit Alex fröhlich diskutierte.
Die Brüder quatschten intensiv miteinander, als ich aufstand und ihnen entgegenkam. Der Rucksack hat eindeutig seine besten Tage hinter sich, urteilte ich.
„And Melissa is such an idiot. She called me Nicki! That’s a girl’s name, Alex. I hate her!“
Alexander lachte, als Niclas seine Erzählung beendet hatte. Wow, hätte nicht gedacht, dass dieser Mensch überhaupt zu einem herzlichen Lachen fähig war.
Dann sah er zu mir, Niclas folgte meinem Blick und sah äußerst kritisch zu mir. Alex räusperte sich.
„Okay, ähm, also Nic, das hier ist Alice, eine Freundin von mir. Sie wird den restlichen Nachmittag auf dich aufpassen“, gab Alexander bekannt und sah zwischen seinem Bruder und mir hin und her.
Ich bemühte mich um ein Lächeln. Der Begriff „Freundin“ wurde hier definitiv zu oft benutzt. Doch eigentlich sind wir das noch immer nicht. Meiner Meinung nach.
„Hey Niclas. Wie geht’s?“, fragte ich und lächelte wieder.
Niclas zog immer noch kritisch die Augenbrauen zusammen, entschied sich dagegen, mir zu antworten und wendete sich an seinen Bruder.
„Alex, I told you, I don’t need a Nanny. Gosh, I’m ten okay? Can’t I sleep at Jonathan’s and everything is ok?”, murmelte Niclas, Alexander grinste.
„Nein, du kannst nicht bei Jonathan übernachten. Und übrigens bringt es dir nichts, mit mir auf Englisch zu reden, weil Alice das ebenfalls beherrscht, okay? Also, du hast die Wahl. Entweder du kommst mit ins „Nightmare“ und Chantal hat ein Auge auf dich. Oder du bleibst den Abend über bei Alice. Entscheide dich.“
Niclas brummte.
„Okay, du hast gewonnen. Ich kann Chantal nicht leiden!“
Ich runzelte die Stirn.
„Wer ist Chantal?“, fragte ich.
Die Brüder sahen wieder zu mir, Alex antwortete mir.
„Chantal ist die Besitzerin des „Nightmare“, der Bar in der ich jobbe. Sie passt gelegentlich auf Nic auf, wenn ich keinen Babysitter habe. Aber da du uns heute gerettet hast, sieht die Welt doch gleich ein Stückchen besser aus.“
Ich nickte.
Ich hatte zwar noch nie vom „Nightmare“ gehört, aber dem Namen nach zu urteilen war es sicherlich kein besonders schönes Etablissement.
Ich sah zu Niclas, der sich nun anscheinend mit der Situation abgefunden hatte.
„Also schön, dann werden wir uns heute noch einen schönen Abend zusammen machen. Musst du noch irgendwo hin oder wollen wir zu mir nach Hause? Oder zurück zu euch? Ich kann Niclas später aber auch wieder nach Hause fahren, mit dem Auto meiner Mutter“
Fragend sah ich Alex an, er zuckte mit den Schultern.
„Wäre ehrlich gesagt echt cool. Meine Schicht geht nämlich bis zwölf, da werde ich ihn vorher nicht abholen können!“
Ich nickte.
„Ja, ist kein Problem für mich. Ich kann ihn so gegen acht oder neun heimfahren. Nach dem Abendessen, okay? Dann musst du dich um nichts mehr kümmern“, antwortete ich und lächelte aufmunternd.
Alexander sah mich hoffnungsvoll an.
„Alice, ich danke dir vielmals. Das ist echt großzügig von dir.“
Er warf einen Blick auf die Uhr.
„Okay, wir müssen los. Dass ich euch noch loswerde, bevor meine Schicht anfängt!“, meinte er und nahm Niclas’ Rucksack.
„Ab ins Auto!“
Nic rannte voraus und setzte sich auf die Rückbank. Ich schlurfte hinter her und ließ mich wieder auf den Beifahrersitz gleiten.
Ich nannte Alex meine Adresse – es war nicht einmal ein Unweg, mich und seinen Bruder dort abzusetzen – und wir verabschiedeten ihn keine zehn Minuten später.
Nic sah argwöhnisch zu mir hoch, als ich die Haustüre aufschloss und ihn in die Wohnung bat.
Er zog seine Schuhe im Flur aus und sah sich um.
„Musst du noch Hausaufgaben machen oder… willst du Fernsehen oder so?“, fragte ich und zuckte mit den Schultern.
Babysitten hatte ich noch nie gemacht. Keine Ahnung, was man mit Kindern den Abend über so anstellt.
Zudem hatte ich das Gefühl, Niclas mochte mich nicht besonders.
Er schüttelte den Kopf.
„Ne, kein Fernsehen. Ich muss noch Mathe lernen… Willst du mir dabei helfen?“, fragte Niclas lustlos.
Ich grinste.
„Natürlich, gerne“, antwortete ich, doch Niclas schien nicht sonderlich zufrieden.
Er kniff die Augen zusammen und sah mich mit seinem kritischen Blick an.
„Okay“, entgegnete er nur.
Ich lotste Niclas hoch in mein Zimmer, holte ihm einen extra Stuhl aus Mamas Arbeitszimmer und stellte ihn an meinen Schreibtisch.
Wir setzten uns an den Tisch und Niclas holte seine Mathesachen heraus.
Dann sah er mich wieder an und lächelte – wahrhaftig, er lächelte.
„Alex muss dir ja richtig vertrauen, wenn er mich bei dir lässt, obwohl ich dich noch kein einziges Mal gesehen habe. Und du bist total nett. So jemanden hilfsbereites wie dich habe ich noch nie getroffen.“ <

Freitag, 7. November 2014

Kurzes Update

Hallo ihr da draußen,

wollte nur mal kurz etwas Informatives sagen :)
Wenn ihr hier rechts mal ein klein wenig runter scrollt, seht ihr das "Gedanken Archiv", in denen alle Posts aufgelistet sind und darüber Liste verschiedener Posts, z.B. die komplette bisher existierende Reihe von "The modern days".
Hoffentlich gefällt es euch genauso gut wie mir:)

Eure Mademoiselle

The modern days #12



> Na super.
Dieser Nachmittag verlief so gar nicht nach meinem Plan.
Ich erfahre jegliche Sachen, die eigentlich nicht so wirklich etwas mit meiner – unserer – Vergangenheit zu tun hat. Und jetzt ist unsere Zeit auch schon um.
Alex sah mich fragend an, ich hatte ihm noch nicht geantwortet.
„Ähm… ja… auf welche Schule geht dein Bruder?“, fragte ich, während Alex seine Schlüssel holte und sie in seine Hosentasche gleiten ließ.
„Heinrich-Heine-Grundschule. Ist mitten in der Stadt!“, antwortete er und hielt mir die Tür des Wohnzimmers auf.
Ich trat hinaus, öffnete die Haustür und schlurfte voraus Richtung Auto.
Alexander folgte mir, sobald er die Tür verschlossen hatte.
Der Kies unter unseren Schuhen knirschte.
„Okay, dann kannst du mich einfach an der Schule rauslassen. Ich könnte eh mal wieder in die Stadt gehen“, antwortete ich, als Alex wieder neben mir stand.
Jetzt, wo ich so darüber nachdachte… Spricht man Alex eigentlich deutsch oder amerikanisch aus? Immerhin ist er Amerikaner, aber unsere Aussprache scheint ihm nichts auszumachen. Vielleicht frage ich ihn irgendwann mal danach.
Ich bemerkte, dass seine Hände zitterten, als Alex die Schlüssel aus seiner Hosentasche fischte und sie zögernd in das Schloss seines Autos steckte.
Ich runzelte die Stirn.
„Ist alles okay?“, fragte ich, zugegeben besorgt.
Alexander nickte nur, er winkte ab.
„Ja... es ist nur... ich habe seit Ewigkeiten nicht mehr über den Tod meiner Eltern und über Amelia oder Camille geredet. Das ist echt nicht so leicht zu verdauen.“
Alex stieg ein, ich tat es ihm gleich.
Seine Hände zitterten immer noch, als er sich anschnallte und dann tief durch atmete.
Wow, das hatte ich ihm vorhin gar nicht angesehen…
Ich fühlte mich augenblicklich schuldig. Nur wegen meiner Fragerei musste er seine komplette Vergangenheit aufrollen.
Aber glaubte er etwa, mir fiele das leicht? Von Amelia zu reden versetzt mir einen Stich ins Herz.
„Wie soll das jetzt weitergehen? Du hast mir immer noch nicht alles über die Funk oder deiner Beziehung zu meiner Schwester erzählt!“, meinte ich und sah Alex eindringlich an.
Er seufzte.
„Meine Beziehung zu Amelia? Okay, du hast definitiv keine Ahnung! Lass uns einen Deal machen: Amelia hat nie irgendwas über ihre Familie erzählt. Dabei würde ich zu gerne etwas über die Familie meiner ehemaligen besten Freundin erfahren. Antwort gegen Antwort. Einverstanden?“
Ich nickte. Das war nur fair.
„Natürlich. Wann wollen wir uns wieder treffen?“, fragte ich, Alex zuckte nur mit den Schultern.
„Ist mir relativ gleich. Am besten am Wochenende, da hätte ich auch vormittags Zeit und müsste Nic nicht irgendwo hinfahren oder absetzen. Unter der Woche ist eher schwierig, wegen der Schule und meinem Job!“, erklärte er, ich hörte aufmerksam zu.
Wir vereinbarten einen Termin für Samstagvormittag, bei mir, um unsere Geschichte weiter aufzuarbeiten.
Die restliche Fahrt schwiegen wir vor uns hin.
Ich dachte die ganze Zeit über Amelia nach.
Dass sie einer Drogenbande angehört haben soll, ging immer noch nicht in meinen Kopf. So etwas hätte sie doch nie vor uns verheimlicht… Oder etwa doch?
Ich war mit den Nerven vollkommen am Ende.
Oder hatte Alex mich möglicherweise doch angelogen? Vielleicht spielte er ja nur mit mir.
Aber andererseits hatte er mir heute so viel anvertraut, über seine Familie und sein Leben – er konnte einfach nicht gelogen haben.
„Ah… Mist!“, hörte ich Alexander murmeln, als wir am Parkplatz vor der Schule angekommen waren.
Ich sah ihn fragend an.
„Was ist los?“, wollte ich wissen, Alex schüttelte den Kopf.
„Ach, ich habe keinen Babysitter für Nic. Und auch wenn er schon zehn ist, heißt das noch lange nicht, dass ich ihn alleine in unserer Wohnung lassen würde. Dann muss er wohl oder übel mit in die Bar!“
Ich runzelte die Stirn.
„Aber… du kannst doch einen kleinen Jungen unter der Woche nachts nicht mit in eine Bar nehmen. Er braucht Ruhe und Schlaf, vielleicht muss er sogar Hausaufgaben machen!“, warf ich Alexander vor.
Er schnaubte.
„Alice, so läuft unser Leben nun mal. Oder hast du eine bessere Idee?“
Er schüttelte den Kopf und konzentrierte sich auf die Masse an Schülern, die aus dem Gebäude strömten.
Wie sein kleiner Bruder wohl aussah?
Ich atmete tief durch.
Keine Ahnung, was mich dazu getrieben hat, das folgende zu tun. Aber…
„Ich könnte auf ihn aufpassen. Meine Mutter wird eh die halbe Nacht in ihrer Praxis sein. Ich habe Zeit!“, antwortete ich.
Alexander drehte den Kopf zu mir und starrte mich an.
„Das würdest du wirklich tun? Obwohl du uns überhaupt nicht kennst?“
Ich seufzte.
„Ich hab auch überhaupt keine Ahnung, warum ich das tue. Aber immerhin kenne ich dich jetzt ein ganz klein wenig. Genug, um den Babysitter für deinen Bruder zu spielen. Vorausgesetzt, du vertraust mir das an!“ <

Dienstag, 4. November 2014

Guten Abend - diary

Hallo ihr da draußen,

mal wieder was kurzes aus meinem Leben:)
Ach Leute, ich bin mir so unschlüssig.
Ich bin gerade im Abschlussjahr und mache bald Abitur.
Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wei oft ich schon die Frage gehört habe, was ich danach mache.
Ich habe nämlich noch keine Ahnung.
Oh Mann, ich würde sehr gerne ein FSJ machen, aber danach?
Es gibt sehr viele Berufe, die mit meinen bisherigen Noten in Frage kommen. Aber die sind zu 90% alle todlangweilig!
Ich würde so gerne etwas richtig Kreatives machen: zeichnen, fotografieren, schreiben, Schauspiel, Musik, am besten alles zusammen:D
Nur schade, dass es so etwas meines Wissens nach gar nicht gibt. Oder doch? Leute, wenn ihr solch einen Beruf findet, dann schreibt mir bitte:D

Nun ja, ich sitze hier auf der Couch, schreibe noch ein bisschen an "The modern days" und wünsche euch einen schönen Abend!

Eure Mademoiselle

Sonntag, 2. November 2014

The modern days #11



> „Es tut mit leid... ich... ich hatte keine Ahnung dass...“
Alexander schüttelte nur den Kopf.
Mein Herz raste und mir war unglaublich heiß.
„Bitte, du bist hier um etwas über Amelia zu erfahren und nicht über meine Familiengeschichten. Also, fahren wir fort.“
Ich nickte, langsam und immer noch verwirrt, doch ich nickte.
Mein Herzschlag schien sich langsam wieder zu beruhigen. Vermutlich sah ich gerade so aus,  als wäre ich einen Marathon gerannt: Knallrot im Gesicht und außer Atem.
Alexander schien das jedoch alles komplett kalt zu lassen. Hatte er sich schon so daran gewöhnt, allein für alles verantwortlich zu sein? Oder war er lediglich gut darin, seine Gefühle zu verstecken?
Und warum interessierte mich das eigentlich? Ich war wegen Amelias Vergangenheit hier, nicht um Alexander zu bemitleiden.
„Ich kann dir zwar immer noch nicht Recht glauben, dass Amelia mit Drogen gedealt hat. Aber... sie ist verschwunden, als sie 16 war. War sie davor schon Teil der Funk oder ist sie dorthin verschwunden?“, fragte ich.
Alexander schien nachzudenken, sein Blick fiel an mir vorbei durchs Fenster. Gedankenverloren sah er erst nach geraumer Zeit zurück zu mir.
„So weit ich mich erinnere, hatte sie auf einer der berühmten Partys der Funk das erste Mal mit Drogen Kontakt. Danach ist sie zu uns... zu der Funk gekommen und wollte unbedingt dabei sein. Sie hat gemeint, sie wäre gerade erst 16 geworden, daran kann ich mich wirklich noch genau erinnern.“
Er stieß hörbar die Luft aus.
„Ich war ziemlich verwundert, dass ein Mädchen, das zudem noch ein ganzes Jahr jünger war als ich, zur Funk wollte. Ich meine, ich war bis dato der Jüngste, doch dann kam Amelia.“
Auf einmal würde ich wieder wütend.
„Warum hast du sie nicht aufgehalten? Warum, zum Teufel, hast du meine Schwester nicht aufgehalten?“
Alexander schluckte, doch seine Miene bleib wie immer unverändert.
„Alice, das habe ich versucht. Wirklich. Aber ich war zu diesem Zeitpunkt noch sehr angetan von der Funk. Sie war mein Lebensmittelpunkt. Mein ein und alles. Meine Familie, könnte man sagen“
Ich runzelte die Stirn.
„Wie bist du überhaupt zur Funk gekommen?“
Alexander lachte kurz auf, ein verächtliches, freudloses Lachen.
„Funk bedeutet sowohl Funk, im wahrsten Sinne des Wortes, also irgendwas Abgedrehtes und Spaßiges. Was Drogen eben so anstellen können. Aber andererseits bedeutet es auch Angst. Mordsangst. Genau das, was die Gang ausstrahlen möchte. Es strahlte gewisse Stärke aus, die mir Mut versprach. Sie werben ja immer mit dem Spruch „bist du krank, komm zur Funk“. Und du wirst es nicht glauben, aber diesem Motto habe ich vertraut. Nachdem meine Eltern tot waren, war mein Leben am Ende. Ich war krank, wirklich. Nicht nur psychisch, mir ging es allgemein echt dreckig. Und die Funk war die perfekte Ablenkung. Außerdem verdient man mit Drogen ganz gut, das hat Nic und mich ziemlich lange über Wasser gehalten.“
Ich räusperte mich.
Diese Situation war durch und durch unangenehm.
„Hast du niemanden mehr aus deiner Familie?“, fragte ich.
Anscheinend hast du wohl doch mehr Interesse an meinen Familiengeschichten, war ja klar…. Also, ja, ich habe noch eine ältere Schwester. Aber sie lebt immer noch in Amerika. Sie ging auf ein Internat und hat danach ein Stipendium für irgendeinen Chemisch-biologischen Studienzweig bekommen. Das wollte sie nicht aufgeben, als meine Eltern wegen ihres Jobs hier her zogen. Meine Schwester, Camille, ist damit auch recht erfolgreich, hat sogar ihre eigene Firma gegründet. Sie ist übrigens dreieinhalb Jahre älter als ich, also bald vierundzwanzig, falls du das gerade fragen wolltest.“


Ich staunte.
„Wow. Und war… Okay, diese Frage ist unverschämt, aber war Niclas geplant? Er ist so jung, im Gegensatz zu euch…“, murmelte ich verlegen.
Alex lachte – doch diesmal war es ein fröhliches Lachen - und schüttelte den Kopf.
„Nein, da hast du recht. Er war nicht geplant. Meine Eltern hatten immer sehr, sehr viel Spaß zusammen. Und Niclas war… Nun ja, er war eine Überraschung für alle. Aber ich würde ihn nicht mehr hergeben wollen!“, antwortete er verträumt und warf dann zufällig einen Blick auf die Uhr.
Sein Gesichtsausdruck wechselte urplötzlich und jegliche Freude wich.
„Oh scheiße. Ich muss los! Nic wird schon warten. Ähm… Soll ich dich unterwegs irgendwo absetzen?“ <