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Ein noch nicht ganz erwachsenes, chaotisches und kreatives Hippie-Mädchen schreibt hier alles auf, was ihr gerade durch den Kopf geht :)

Sonntag, 24. September 2017

The Modern Days #57



> Ich wusste nicht mehr recht, was ich sagen sollte. Aber ich konnte Alex davon überzeugen, wieder mit nach drinnen zu kommen, wo es eindeutig wärmer war.
Ich versuchte, einigermaßen meine Fassung wieder zu erlangen und begann zu erklären: „Also Alex. Wir geben jetzt verdammt noch mal nicht auf! Ich erzähl dir was wir machen. Den Tag heute kriegen wir noch rum. Morgen wird uns Boss zu einem Deal schicken. Wir brauchen Drogen und damit kriegen wir Zugang zum Lager. Wir werden sämtliche Ecken nach diesem Zeugs durchsuchen, was meine Schwester…“ ich musste schlucken, „was meine Schwester wohl getötet hat.“
Alex starrte auf den Boden.
Ich fuhr fort.
„Wenn wir das erstmal haben, dann müssen wir es nur noch untersuchen lassen und dann können wir endlich von hier verschwinden! Den Scheiß hinter uns lassen!“
Atmete er überhaupt noch? Ich konnte es nicht sagen.
Es vergingen ein paar Minuten, bis Alex sich schließlich aufsetzte und mit verschleiertem Blick ansah.
„Du hast recht.“
Ich sah ihn mit gerunzelter Stirn an.
„Womit?“
Er seufzte.
„Damit, dass wir jetzt nicht aufgeben können. Ich, wir, wir müssen Amelia rächen. Boss soll büßen für das was er getan hat.“
Ich nickte und bemerkte, wie mein Innerstes langsam wieder warm wurde.
„Da gibt es nur noch ein Problem: Wir können nicht einfach so zur Polizei, ohne genau zu wissen, was in diesem Zeugs überhaupt drin ist. Aber wie bitte sollen wir das herauskriegen? Für mich sieht das alles aus wie Backpulver!“
Daraufhin stand Alex ruckartig auf, er wirbelte sogar Staub auf.
„Camille.“
Ich sah ihn stirnrunzelnd an.
„Camille?“, fragte ich nach, Alex nickte ganz euphorisch.
„Ja verdammt, Camille! Meine Schwester! Warum habe ich daran nicht schon vorher gedacht! Sie hat doch ihre Firma gegründet: Camic. Sie haben ein Partnerunternehmen hier in Deutschland, ich kenne sogar einen ihrer Kollegen dort. Wir müssen uns das Zeugs besorgen, und sie untersuchen das für uns!“, erklärte er ganz sachlich, wobei er deutlich aufgeregt war.
Ich nickte langsam.
„Okay, das könnte tatsächlich funktionieren. So wie ich das im Gemurmel hier mitgekriegt habe, plant Boss morgen den nächsten großen Deal. Das ist unsere Chance! Packen wir das?“
Alex sah mir tief in die Augen, dann nickte er zuversichtlich.
„Ja. Wir müssen!“
Der Tag war so gut wie gelaufen, nachdem wir uns einigermaßen beruhigt hatten und unseren Plan ausgetüftelt hatten.
Tanja hatte eine riesen Portion Käsespätzle gemacht, zu denen wir natürlich nicht nein sagten. Das war perfektes Wohlfühlessen!
Beim Essen ließen wir uns nichts anmerken, was sich aber als recht leicht herausstellte, da David sowieso die ganze Aufmerksamkeit auf sich zog.
Er erzählte, dass er sich gestern Zwillinge aufgerissen hatte, sich die Schwestern aber am Ende nicht entscheiden konnte, wer ihn haben durfte.
Also hatte er zuerst mit der einen, dann mit der anderen geknutscht!
Die Mädels mussten hacke dicht gewesen sein, wenn sie es schon so weit kommen ließen.
Die Käsespätzle machten mich total fertig, Alex und ich gingen schon wieder ziemlich früh ins Bett.
Er telefonierte noch mit Nic, während ich mit Ben schrieb.
Er erzählte mir, dass sein Club momentan wirklich bombastisch lief und er sich freuen würde, wenn ich mit Alex bald mal wieder vorbeischaute.
Ich konnte nur traurig lächeln. Das würde ich sehr gerne machen!
Ben meinte, er hätte noch Unterricht vorzubereiten, deshalb war unser „Gespräch“ recht schnell wieder vorbei.
Alex kam aus dem Badezimmer.
„Ich soll dich von Nic grüßen. Seine blauen Flecken werden allmählich weniger!“, meinte er und setzte sich neben mich aufs Bett.
Ich lächelte.
„Das freut mich!“
Alex gähnte.
„Bist du auch so müde wie ich?“, murmelte er und zog sein Shirt aus.
Es war mir ein Rätsel, warum dieser Typ nicht fror. Aber da ich den Anblick genoß, stellte ich keine Fragen.
Stattdessen nickte ich.
„Und wie. Ein gefühltes Kilo von Tanjas Käsespätzle intus kombiniert mit der nicht sehr langen gestrigen Nacht – ich brauche Schlaf!“
Alex stimmte mir zu, krabbelte über mich, schlüpfte unter die Decke. Ich tat es ihm gleich.
„Gute Nacht Baby!“, murmelte er, ich grinste in mich hinein.
„Gute Nacht.“
Ich schlummerte dahin und versank in tiefe Träume.
Urplötzlich hatte ich das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Meine Brust fühlte sich wie zugeschnürt an, ich schrak hoch. Es muss mitten in der Nacht sein, Mondlicht erhellte das Zimmer.
Panik kroch in mir hoch und ich atmete wie wild, hyperventilierte.
Ich warf die Decke von mir und drückte meine Hände auf mein Herz. Es pochte wie wild.
Warum passierte das nur? 
Luft! Ich brauche Luft!
Auf einmal spürte ich zwei Hände, die sich um meinen Bauch legten und mich an einen bekannten Körper drückten.
„Alice, ganz ruhig. Ich bin hier, es ist alles okay!“
Wärme umgab mich und ich schloss für einen kurzen Moment die Augen, um in mich zu gehen.
Mein Herzschlag normalisierte sich allmählich, ich bekam wieder Luft.
Ich legte meine Hände auf Alexanders Arme, fuhr über seine Tattoos und atmete tief durch.
„Schon wieder der Traum?“, fragte Alex, ich nickte.
Dann drehte ich mich um und rieb mir über die Augen.
„Tut mir leid, dass ich dich geweckt habe…“, meinte ich und seufzte.
„...mal wieder“
Alex schüttelte nur den Kopf.
„Nicht schlimm. Und jetzt versuch, wieder zu schlafen, okay? Wir müssen das morgen durchziehen.“
Ich nickte und ließ mich wieder in die Laken sinken.
Alex legte sich auch wieder hin und zog die Decke über uns.
„Alles okay?“, flüsterte er, ich atmete noch mal tief durch.
Dann nahm ich Alex' Arm, legte ihn um meine Taille und verkreuzte seine Finger mit meinen.
„Ja, alles okay“
Ich schloss die Augen. Doch einschlafen konnte ich beim besten Willen nicht.
„Alex?“, flüsterte ich nach einer Weile.
Ich spürte, wie er über meinen Handrücken strich.                    
„Hm?“
Ich schloss wieder meine Augen.
„Danke. Danke, dass du das mit mir durchstehst!“ <

Donnerstag, 7. September 2017

The modern days #56

> „Sie war viel stärker als ich. Sie wollte kämpfen. Ich habe einfach aufgegeben, hab das Tattoo genommen und bin abgehauen. Und Amelia? Sie hat um ihre Ehre gekämpft. Und um ihr Leben. Ich hätte an ihrer Stelle sterben sollen!“, murmelte Alex und senkte den Kopf.

Ich schniefte und merkte, wie ein paar Tränen über mein Gesicht liefen.
Dann schüttelte ich den Kopf.
„Nein. Alex, sag so etwas nicht! Natürlich will ich nicht, dass Amelia tot ist. Aber das bedeutet nicht im Geringsten, dass du ihren Platz einnehmen solltest! Ich kann dich nicht verlieren...“
Die Tränen hörten nicht auf.
„Du bist stark. Du bist mehr als das. Du kämpfst für Vergeltung und das Recht auf Wissen. Und in dem du kämpfst gibst du mir die Kraft auch zu kämpfen! Du darfst nicht aufgeben! Hörst du? Ich brauche dich!“
Alex hatte mich mehrere Sekunden lang entrüstet angestarrt, dann ist er aus dem Zimmer geflüchtet.
Ich schloss die Augen und ließ meinen Tränen freien Lauf.
Ich wollte nicht mehr stark sein.
Ich wollte diese ganze Geschichte nur noch hinter mich bringen!
Ich ließ mich nach hinten auf das Bett fallen, drehte mich und heulte in ein Kissen.
Die Mascara auf meinen Wimpern bröckelte ab und verschmierte das weiße Laken.
In meinem Kopf herrschte vollkommenes Chaos.
Was genau hatte dieser Dreckskerl Boss mit Amelia angestellt?
Ich krallte meine Finger in die Matratze und wünschte, es wäre sein Gesicht.
Doch meine Kraft wich viel zu schnell, völlig schlapp lag ich einfach nur da und weinte, bis irgendwann keine Tränen mehr kamen.
Gefühlte Tage verbrachte ich damit, einfach im Bett zu liegen und zu hoffen, dass irgendetwas passieren möge.
Dass mich irgendjemand aus dem Zimmer zerren würde und mich ablenken könnte, ganz egal wie.
Und ich hoffte, dass Alex zurückkehrte.
Gleichzeitig redete ich mir ein, dass ich ihn längst hätte suchen sollen. Er machte das hier ebenso durch, wie ich. Und wahrscheinlich geht es ihm noch viel dreckiger, weil er weiß, zu was Boss fähig ist. Ich bin ja an meine Vermutungen gebunden.
Mühsam quälte ich mich aus dem Bett, nahm das Tagebuch und ging ins Bad.
Ich versteckte das Buch hinter dem losen Badezimmerschrank und wagte es erst danach, in den Spiegel zu sehen.
Meine Augen waren gerötet und mein ganzes Gesicht war mit ebenso roten, hektischen Flecken übersäht.
Ich seufzte, stellte den Wasserhahn an und spritzte mir eiskaltes Wasser ins Gesicht und auf das Dekolleté.
Die Kälte tat gut und linderte die heftige Reaktion meiner Haut.
Meine Augen sahen immer noch ein wenig verquollen und gereizt aus, aber ich schüttelte nur den Kopf.
Scheiß egal wie ich aussah, ich musste Alex finden.
Ich kontrollierte das sichere Versteck des Buches und verließ dann das Bad.
Dann nahm ich mir noch meine Weste, ging aus dem Zimmer und machte mich auf den Weg zum Aufenthaltsraum.
Dort traf ich auf David, der mich angrinste.
„Sugar, auf der Suche nach irgendwem?“, fragte er, seine Stimme hatte wie immer einen schmeichelhaften Ton angenommen. Ich nickte nur.
„Hast du Alex gesehen?“, fragte ich, er schüttelte den Kopf.
„Nein, also ja, also nicht direkt. Er ist an mir vorbei gerauscht, dachte vielleicht, ihr beiden habt eine Beziehungskrise oder so...“, antwortete er und zuckte mit den Schultern.
Ich atmete tief durch. Wenn es nur so einfach wäre!
Dann versuchte ich mich an einem Lächeln.
„Weißt du denn, wo er hin geflüchtet ist?“, hakte ich nach, David jedoch schüttelte erneut den Kopf.
„Keine Ahnung Sugar... aber, wenn du jemand zur Ablenkung brauchst, du weißt wo sich mein Bett befindet!“
Ich nickte nur und ging nicht auf seine ekelhaften Kommentare ein. Über Alex‘ Kinnhaken schien er relativ schnell wieder hinweg zu sein…
Dann lief ich zur Küche, wo ich Tanja irgendeinen Teig kneten sah.
Sie schaute auf.
„Ach Alice, ich weiß, wen du suchst! Er sitzt auf der Feuertreppe und macht keinen allzu besonders gut gelaunten Eindruck“, erklärte sie, ohne dass ich auch nur etwas sagen konnte.
Ich nickte nur und verabschiedete mich somit auch.
Dann durchquerte ich die Eingangshalle und eilte mit schnellen Schritten dem Eingang entgegen.
Mit viel Mühe öffnete ich die schwere Tür und trat hinaus in die früh abendliche Kälte
Ich sah mich nach Alex um und fand ihn auf der obersten Stufe zusammen gekauert.
„Du rauchst?“, fragte ich kritisch und setzte mich neben ihn.
Alex seufzte.
„Glaub mir: seit du mir vor wenigen Wochen gesagt hast, ich soll damit aufhören, habe ich das auch gemacht. Wirklich. Aber das alles hier stresst mich so, ich habe etwas zur Beruhigung gebraucht...“
Er nahm einen letzten Zug, schnippte dann den Stummel über die Abgrenzung und blies daraufhin den Rauch in das Abendrot der untergehenden Sonne.
„Weißt du, Nic fehlt mir. Amelias Story schockt mich total und ich fühle mich so schuldig, dass ich nie etwas geahnt habe! Und dass ich dich in all das auch noch mit hinein gezogen habe... ich werde mir das alles nie verzeihen können!“, murmelte Alex und schloss entkräftet die Augen.
Ich musste schlucken.<

Dienstag, 27. Juni 2017

Ihr erinnert euch an den Hotpants Post? - my mind

Hallo ihr da draußen,

es ist so ein leidiges Thema und trotzdem kommt es jedes Jahr aufs neue auf.
Mädchen sollen in Schulen keine kurzen Hosen, keine bauchfrei oder einen großen Ausschnitt tragen.
Jaja. Der gute alte Sexismus, da ist er wieder.
Also bitte meine Damen und... nein, eigentlich sind es nur die Herren. Männer machen hier doch die Regeln. Für Frauen. Und das schon seit Jahrhunderten, ich könnte ko*****.
Hier ein Artikel von bento, der mir aus dem Herzen spricht.Mehr will ich eigentlich nicht sagen, sonst würde ich den Artikel komplett zitieren:D

Ach ja, und habt ihr den Skandal mit der Frau im Badeanzug mitbekommen? Selbes Spiel in grün. Sie war an einem Pool und wurde von der Verwaltung gebeten, sich zu bedecken oder heim zu gehen, weil ihr Badeanzug zu freizügig war und das Kinder nicht sehen sollten bzw Jungs davon abgelenkt würden.
Ja halleluja. Und wieder einmal bestimmn andere über den eigenen Körper.
Und warum wird einfach alles sexualisiert?!

No more comments.
Eure Mademoiselle

Dienstag, 23. Mai 2017

The modern days #55



>Es ist wieder passiert. Genau an der gleichen Stelle, gleiche Uhrzeit. Wie vor zwei Tagen bin ich früh abends, nachdem ich duschen war, aus meinem Zimmer und wollte zur Küche laufen, da stellt sich Boss mir in den Weg. Diesmal war er forsch. Er hat mich in sein Büro gezogen und mir sofort den Mund zugehalten, damit ich nicht schreien konnte. Er hat mir eingetrichtert, dass er mir nichts tun wird, solange ich das alles geheim halten würde. Ich konnte nur nicken. Daraufhin hat er wieder meinen Po angefasst und mich ganz nah an sich gezogen, dieser Hurensohn! Er muss die Angst in meinem Blick gelesen haben, da hat er mich schließlich gehen lassen...<

Entgeistert sah ich Alex an, der auf den Boden vor ihm starrte.
„Glaubst du, er hat... er hat noch mehr mit ihr...“
Ich konnte die Worte nicht aussprechen, ich wollte nicht daran denken.
Alex schüttelte den Kopf.
„Sie war immer so taff. Warum hat sie mir nie etwas gesagt?“
Er ballte die Fäuste.
„Ließ weiter“, bat er flüsternd. Ich nickte.

> Ich muss hier weg. Ich halte es nicht mehr aus! Alex wird für ein paar Tage in einem anderen Quatier der Funk sein, solange bin ich Boss vollkommen schutzlos ausgeliefert. Was, wenn er mehr tut, als nur grabschen? Ich bin total panisch. Aber was soll ich tun? Die Polizei rufen? Das kann ich nicht, da würde ich meine Identität als Dealerin preisgeben. Ich muss Boss klarmachen, dass er mich nicht besitzt. Wenn er das nächste Mal auch nur ansatzweise etwas mit mir machen will, werde ich mich wehren! <

Mittlerweile kullerten mir die Tränen über die Wange.
Nächste Seite.

> Oh Gott es war so schrecklich! Boss hat es gewagt, mich zu küssen! Ich habe ihm auf die Lippen gebissen, daraufhin hat er mir wütend eine Ohrfeige verpasst und mich mit Klebeband mundtot gemacht. Ich will schreien und von hier weg, aber ich kann nicht. Wo soll ich hin? Was soll ich tun? Hier wird mir niemand Glauben schenken. <

Alex neben mir hatte die Arme um die Schenkel geschlungen und war am ganzen Körper angespannt.
Nächste Seite.

>Es ist passiert, Boss hat mich vergewaltigt. Ich habe mich schreiend und fluchend in seinen Armen gewunden, habe versucht, mich aus seinem Griff zu befreien, aber er hat es lachend ignoriert. Wie bei Sadomaso Spielchen hat er mich an sein Bett gebunden und mir die Kleider vom Leib gerissen. Es war so ekelhaft! Es tat so weh! Boss hat keinerlei Rücksicht darauf genommen, ob ich Schmerzen hatte, geschweige denn, ob ich gerade seine Laken voll blute. Er hat einfach unbeirrt weitergemacht, bis es endlich vorbei war. Als wäre nichts gewesen hat er mich auf seinem Bett liegen lassen, sich angezogen und ist rausgegangen. Ich habe geheult und geschrien wie noch nie zuvor, aber keiner hat mich gehört. Dann kam er wieder, mit einer Spritze in der Hand. Zur Linderung der Schmerzen, hat er gesagt und mir das Metall in die Haut gerammt. Ich konnte noch den Namen des Zeugs erkennen, TMD. Aber seitdem weiß ich nichts mehr<

Und die letzte Seite war der blanke Horror. Die Schrift war totales Gekrakel, zwischen drin braun-rote Flecken.
Blut?

>Ich bin in Boss Zimmer, er hat mich an einen Stuhl gekettet, aber ich konnte meine Arme losreißen, um das hier zu schreiben. Falls das jemals jemand finden wird, nachdem ich vermutlich nicht mehr lange leben werde, will ich noch loswerden, dass das alles nie so geplant war. Ich wollte hier nur Spaß und Boss hat mir das Leben, das mir verbleibt, zur Hölle gemacht<

Ein Knick in der Seite

>Boss kommt wieder, er hat wieder eine Spritze dabei. Nein, zwei!
Das wird mein Ende sein und ich hoffe, dass<

Hier hörte die Seite auf.
Entkräftet ließ ich das Buch fallen.
Alex begann zu schluchzen.
„Ich kenne diese Droge. Sie wurde von den Vorgängern der Funk erfunden. Diese Gruppe hieß The modern days, die Leute haben sich so genannt, weil sie dachten, mittels ihres Stoffes könne man die Zukunft sehen. Dem war natürlich nicht so. Boss, der die Funk gegründet hat, war der einzige, der nicht durch eine Überdosis gestorben ist. Aber der einzige, der durch eine Überdosis getötet hat!“

Mittwoch, 10. Mai 2017

The modern days #54


> Diese Nacht, beziehungsweise das, was noch davon übrig war, schlief ich nicht besonders gut.

Ich hatte die ganze Zeit ein mulmiges Gefühl. Alex hingegen hatte sich an den äußersten Rand des Bettes gewagt und schlief anscheinend noch seelig.
Ich sah mich im Zimmer um und seufzte. Ich wollte nicht mehr. Ich wollte heim, zu Ben und Mama, wollte wieder weiter so schnöde Sachen machen wie meine GFS vorzubereiten und stundenlang in der Bibliothek sitzen. Sachen, die keine anderen Menschen stören.
Plötzlich fiel mir etwas auf. Unter dem Fenster, an der Wand.
Ich runzelte die Stirn und kletterte aus dem Bett. Dann krabbelte ich auf das Symbol an der Wand zu. Es war ein gezeichneter Füller. Mein Herz fing an zu rasen.
Ich kannte dieses Symbol, bemerkte ich erschrocken.
Ich kannte dieses Symbol!
Verwirrt suchte ich die Wand ab.
Über dem Füller war ein winziger Pfeil, der hinter die Heizung zeigte.
Ich presste mich an den rauen Putz der Wand und lugte hinter den Heizkörper. Da war etwas!
Vorsichtig griff ich dahinter - und zog ein verstaubtes Buch hervor.
Ich putzte die Staubschicht von dem ledernen Einband des Buches fort und starrte auf die hervorkommende Beschriftung.
Tagebuch von Amelia
Mir blieb die Luft weg.
„Alex!“, rief ich mit heißerer Stimme und krabbelte zurück zur Matratze.
„ALEX!“, rief ich erneut, dann wachte er auf.
Er blinzelte und runzelte stöhnend die Stirn.
„Was um alles in der Welt ist los? Alice es ist halb sechs. Morgens!“, murmelte er und drehte sich um.
Ich kniff die Augen zusammen. Oh nein mein Freund, das hier ist weitaus wichtiger als dein Schönheitsschlaf!
Ich krabbelte auf die Matratze und warf mich mit meinem vollen Körpergewicht auf Alexander.
Er stöhnte auf.
„Du bist mit Abstand der nervigste Mensch, den ich kenne!“, murmelte er und sah zu mir hoch.
Ich schaute ihn fordernd an.
„Das werde ich jetzt nicht diskutieren. Kannst du bitte aufstehen? Ich muss dir was zeigen!“
Alex seufzte und nickte.
„Wenn du dich von mir herunterrollen würdest!“
Ich tat, wie er wollte und stand auf.
Alex warf die Decke von sich und erhob sich ebenfalls.
Er hatte nur seine Boxershorts an; als er ins Bad lief, konnte ich seinen nackten, muskulösen Rücken bewundern.
Seine Haut schimmerte makellos und das Tattoo war wie ein Teil seiner selbst.
Er trug es so selbstbewusst, dass es gar nicht mehr gezwungen wirkte.
Willst du sie haben, dann brauchst du Narben.
Diese Zeilen geisterten mir im Kopf herum.
Ich seufzte.
Dann fiel mein Blick auf das Buch in meinen Händen. Ich wagte es nicht, es ohne Alex an meiner Seite zu öffnen.
„Bist du mal fertig?“, rief ich und versuchte, fordernd zu klingen - doch aus fordernd wurde verzweifelt.
„Baby gib mir fünf Minuten“, hörte ich Alex sagen.
Ich seufzte.
„Nenn mich nicht Baby und beeil dich!“, rief ich zurück.
Ungeduldig tippte ich mit den Fingern auf meinem Knie herum.
Alexander kam dann nach gefühlten Ewigkeiten aus dem Bad und setzte sich neben mich auf das Bett.
„Also was ist los?“, fragte er und sah mich müde an.
„Sorry dass ich dich geweckt habe. Aber sieh!“
Ich reichte ihm das Buch, er warf einen misstrauischen Blick darauf.
„Was ist das?“
Ich seufzte.
„Die Antwort auf das, was wir schon immer wissen wollten?“, murmelte ich, Alex sah achtungsvoll auf das Buch und schaute dann zu mir.
„Sollen wir es lesen?“, fragte er, ich zuckte mit den Schultern.
„Ja. Lesen wir es. Ich muss einfach wissen, was passiert ist. Und vielleicht stehen die Antworten auf all die Fragen hier drin“
Fast ehrfürchtig schlug ich das Buch auf.
Auf den ersten Seiten stand Großteils, wie Amelie zur Funk gekommen war, wie sie sich mit Alex angefreundet hatte und wie sie allmählich zu einer der besten Dealerinnen aufstieg.
Ich hatte eine Gänsehaut, welche sich komplett über den ganzen Körper zog.
Auch Alex wurde ganz still und lauschte aufmerksam den Klängen meiner zittrigen Stimme.
Ich las:
>Boss hat mich gestern angefasst. Nicht auf die "ich muss mal kurz mit dir reden und tipp dich deswegen am Arm an"-Weise, sondern auf die "ich will dich und deinen Körper"-Weise. Er hat mir eiskalt an den Po gegrabscht, als wäre es das normalste auf der Welt! Ich habe mich umgedreht und ihn kritisch angestarrt, doch er hat so getan, als wäre nichts gewesen. Dann bin ich in mein Zimmer. Wie bitte hätte ich sonst reagieren sollen? Es hätte nichts gebracht, mich aufzuregen, er hat seine Leute auf seiner Seite, sie sind ihm gegenüber loyal. Ich bin nur das kleine, dumme Mädchen, das man zum Narren halten kann. Ich habe den Vorfall nicht mal Alex erzählt, weil ich einfach keine Ahnung habe, ob er mir glauben würde<

Nächste Seite. <