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Ein noch nicht ganz erwachsenes, chaotisches und kreatives Hippie-Mädchen schreibt hier alles auf, was ihr gerade durch den Kopf geht :)

Mittwoch, 1. November 2017

The modern days #59

> Nein, er hat mich verdammt noch mal nicht geküsst.

Alex ist mir exakt genauso nah gekommen wie vorhin, bis David uns wieder unterbrochen hatte – wie vorhin.
Und zwar, indem er mir volle Kanne einen Autoschlüssel an den Arm geworfen hatte.
Wütend drehte ich mich um.
„Was zum Teufel ist nur mit dir los?", fuhr ich ihn an und hob dann den Schlüssel auf.
David kam entschuldigend grinsend auf uns zu.
Verhinderte dieser Junge absichtlich mein Glück mit Alex? Hatte er nicht seine Lektion gelernt, mit dem blauen Auge?
„Sorry, den wollte ich eigentlich nur Alex zuwerfen... nun ja, ich war noch nie gut in so was... nochmals Entschuldigung, Sugar!“, murmelte er, ich nickte.
Alex sah erst finster zu David, doch dann wandte er sich an mich und schaute mich besorgt an.
„Alles okay?“, fragte er, ich nickte.
„Mmh“
David schlich sich davon, als Alex einen kurzen Blick auf meinen Oberarm warf, um sich meiner These zu vergewissern.
Sanft fuhr er mit den Fingern darüber und nickte dann.
Mein Herz schlug immer noch wahnsinnig schnell.
Er hatte mich sexy genannt! Das werde ich nie wieder vergessen können!
„Okay. Und welchen Wagen werden wir heute nehmen?“, fragte er dann, zeigte danach auf den Schlüssel in meiner Hand und riss mich aus meinen Tagträumen.
Ich drehte den Schlüssel und grinste.
„Oh das wird dir gefallen!“
Ich nahm Alexanders Hand, verkreuzte meine Finger mit seinen und zog ihn aus dem Apartment, hin zum Treppenhaus.
Wir kamen an der Tiefgarage an und ich übergab Alex die Schlüssel.
Dann betrachtete er den Schlüssel und seine Augen weiteten sich.
„Ich dachte mir schon, dass du fahren willst!“, meinte ich grinsend, Alexander nickte.
Wie ferngesteuert lief er auf sein Traumauto zu – ein Chevrolet Impala 67er, in schwarz, der Wagen aus seiner absoluten Lieblingsserie Supernatural – und zog mich mit sich.
„Hätte nicht gedacht, dass Boss uns seinen Lieblingswagen überlässt. Aber kann mir ja nur recht sein!“, erwiderte Alex aufgeregt, ließ kurz meine Hand los und schloss den Wagen auf.
Ich grinste.
Jungs und ihre Spielzeuge!
„Hey, ähm, ich weiß du würdest jetzt am liebsten gleich einmal um die Welt fahren, aber wir haben diesen Deal und wir müssen zur Kammer, um das Zeug zu holen.“ <

Samstag, 14. Oktober 2017

Kürbisflammkuchen

Hallo ihr da draußen,

ich dachte ich melde mich kurz außerhalb der Modern Days Reihe und veröffentliche mal wieder ein Rezept.

Goldener Herbst, das heißt Kürbiszeit! Bei uns gibt es nun Literweise Kürbissuppe, wobei trotzdem noch etwas Kürbis übrig bleibt. Ein äußerst schnelles, vegetarische Rezept: Kürbisflammkuchen.

Für 2 Bleche Flammkuchen benötigt ihr:
für den Teig:
- ca 350 g Mehl
- 1 Pck Hefe/Trockenhefe
- eine ordentliche Prise Salz
- einen Esslöffel Olivenöl
- Wasser
> diese Zutaten vermischt ihr alle miteinander und gebt so viel Wasser hinzu, bis ein flexibler, nicht zu matschiger Teig entsteht. Der muss jetzt erst einmal abgedeckt an einem warmen Ort ruhen, je länger desto besser (mind. 1 Stunde).

für den Belag:
- 2 Becher Crème fraiche/Schmand/Saure Sahne (was ihr am liebsten mögt)
- Zwiebeln (wie viel ihr mögt)
- kleine Kürbisstreifen
> den Kübris (ich benutze übrigens Hokaido) könnt ihr aushöhlen, dann in ca 3 cm dicke Streifen schneiden und diese Streifen schnibbelt ihr in kleine Stifte, recht dünn, damit der Kürbis im Ofen gar wird. Die Crème fraiche vermischt ihr mit Salz, Pfeffer und sonstigen Gewürze, die ihr gerne habt. Zwiebeln werden auch in Streifen geschnitten.

Wenn der Teig schließlich aufgegangen ist, teilt ihr ihn in zwei Teile, rollt sie jeweils aus und legt sie auf ein Backbleck. Dann kommt eine ordentliche Schicht Crème fraiche oben drauf, diese verteilt ihr. Dann nach herzenslust den restlichen Belag darüber streuen.

Wer mag, kann das ganze noch mit Käse überbacken, alles individuell gestaltbar.

Den Ofen stellt ihr auf 200 Grad Ober/Unterhitze, dann braucht der Flammkuchen in etwa 20 Minuten, achtet immer darauf, wie gebräunt er ist.

Zugegebenermaßen haben wir den Flammkuchen aufgefuttert, bevor ich ein Bild machen konnte. Also einfach ausprobieren und schmecken lassen!

Eure Mademoiselle

Mittwoch, 4. Oktober 2017

The Modern Days #58



> Ich spürte, wie jemand meine Decke von mir zog und runzelte die Stirn.
„Alice, wach auf“, hörte ich eine tiefe Stimme flüstern.
Ich murrte und schüttelte den Kopf.
Ich vernahm ein Lachen.
„Alice, du weißt, dass Boss dich innerhalb von wenigen Sekunden hier rausziehen lässt, wenn du nicht spätestens in zehn Minuten mit mir da draußen stehst!“
Völlig desorientiert öffnete ich die Augen.
Alex saß vor der Matratze und lächelte mich an.
Alex, in seiner schwarzen Jeans und dem weißen Shirt.
Alex, mit seinem bezaubernden Lächeln und den irre blauen Augen.
„Wie geht's dir?“, fragte er liebevoll, ich streckte mich und strich mir ein paar Locken hinter die Ohren.
„Dank dir konnte ich wieder schlafen.“
Ich gähnte.
„Und genau deswegen will ich auch definitiv nicht aufstehen!“, meinte ich, zog die Decke zurück und vergrub mich unter ihr.
Daraufhin hörte ich ein Lachen.
Alex zog mit voller Kraft an der Decke und warf sie an die gegenüberliegende Wand.
Dann kletterte er zu mir auf die Matratze und kniete sich über mich.
„Alice. Schlafen ist nicht!“, meinte er und grinste mich an.
Ich lachte außer Atem.
In der Tat. Mit diesem Mann über mir ist schlafen echt nicht angesagt.
Sein Shirt spannte sich über seinen Muskeln, durch den feinen Stoff konnte man die schwarzen Schatten seiner Tattoos durchscheinen sehen. Das erste Mal, das er weiß trug.
Mit meiner rechten Hand berührte ich die Stelle über seinem Herzen.
Alex' Grinsen verblasste allmählich, er sah mir einzig und allein tief in die Augen.
Er legte eine Hand an meine Wange und lächelte kurz.
„Ich bin froh, dass es dir gut geht, Alice!“, flüsterte er, ich nickte langsam.
Dann legte ich meine Hand über seine, spürte seine raue Haut unter meinen Fingerkuppen und die Wölbungen seiner Knöchel an meiner Handfläche.
„Es liegt an dir. Dank dir geht es mir gut“, sprach ich langsam und leise.
Unter meiner linken Hand spürte ich seinen Herzschlag pulsieren. Sein Herz schlug genauso schnell und stark wie meines.
Ich hatte das Gefühl, um uns herum war nur weite Stille, doch das Klopfen unserer Herzen verband uns.
Alex beugte sich zu mir herunter und legte seine Stirn gegen meine.
„Du bist auch der einzige Grund, warum es mir gut geht“, murmelte er.
Ich lächelte.
„Das ist schön...“, erwiderte ich, Alex nickte und lächelte ebenfalls.
Auf einmal hörte ich, wie sich jemand räusperte.
Ich verfluchte diese Person jetzt schon. Welcher Idiot stört uns jetzt?
Alex schloss für einen winzigen Augenblick seine wunderschönen Augen und seufzte.
„Das wird wiederholt...“, murmelte er und setzte sich auf.
Ich bekam eine sofortige Gänsehaut.
Erst sahen wir beide uns kurz sehnsüchtig an, dann drehten wir unsere Köpfe in Richtung Tür.
„Die Hochzeitsnacht ist vorbei, ihr ekelhaften Turteltäubchen. Braucht ihr noch eine Extraeinladung oder kommt ihr endlich von dieser Matratze runter?“
David stand in der Tür und warf uns amüsierte Blicke zu.
Alexander sah ihn ebenso amüsiert an.
„Gib uns zwei Minuten. Anziehen und Zähneputzen wird wohl noch erlaubt sein, oder?“
David schnaubte und nickte daraufhin.
„Zwei. Und keine Minute länger.“
Er verließ das Zimmer und ich hörte mich selber erleichtert aufatmen.
Alex kletterte von mir herunter und stand auf.
Dann reichte er mir seine Hände und half mir auf. Ich hielt seine Hand ein paar Sekunden zu lange fest, doch es war ihm offensichtlich nicht unangenehm.
Nebeneinander gingen wir ins Bad, putzten schweigend unsere Zähne und redeten generell kein Sterbenswörtchen mehr. Alex verließ respektvoll das Bad, als ich mir frische Sachen anzog und wieder ins Zimmer ging.
Er nahm meine Hand, als wir zum Aufenthaltsraum liefen, ließ sie vorne jedoch los.
Ich zitterte kurz.
Die ganze Mannschaft war versammelt, Daenerys mal wieder nur in Unterwäsche, David, der sie anstarrte, Boss in seinem schwarz gepunkteten Anzug, der wieder so ekelhaft grinste.
„Willkommen willkommen“
Er räusperte sich.
„Okay, verteilen wir die Aufgaben für diesen Tag. Alex und Alice, Beachclub, David, du fährst Dany zur alten Klapse… Warum habt ihr eigentlich alle dieselben Anfangsbuchstaben? Das nervt, ehrlich! Daenerys, wie wäre es, wenn du dich ab sofort... ähm... Sansa nennst? Oder Cersei? Sind doch auch alles Namen aus dieser kosmischen Serie...“
Daenerys sah Boss mit einem ihrer Todesblicke an und zeigte ihm den Mittelfinger, danach stolzierte sie davon.
Boss verteilte weiterhin die Aufgaben, doch ich hörte gar nicht mehr zu.
Alex hatte meine Hand genommen und seine Finger mit meinen verkreuzt.
Meine Gedanken schweiften augenblicklich ab.
„Lass uns gehen und das alles hier hinter uns bringen...“, meinte er und lächelte.
Ich nickte.
„Wo... ähm... ist denn der Beachclub?“
Alex überlegte kurz.
„Ungefähr in der Nähe des Nightmare. Am Ende der Straße, ein kleiner Club mit Stadtstrand am Fluss. Extrem hässlich aber die Stammkunden da haben Frieden und können in aller Ruhe unser Zeug kaufen!“
Ich zog Alex ein wenig weiter weg von der Masse und sah ihn kritisch an.
„Kannst du... kannst du bitte nicht unser Zeug sagen? Ich will nicht, dass du dich mit diesen Freaks hier identifizierst... also, ich bitte dich darum“
Alex nickte, zog mich an sich und lächelte.
„Okay. Werd ich fortan nicht mehr“
Ich atmete erleichtert auf.
„Danke“, murmelte ich, Alex schüttelte den Kopf.
„Ich danke dir. Immerhin bist du die beste und absolut süßeste Ablenkung von dem ganzen Kram“, murmelte er, nahm sich eine meiner Haarsträhnen und zwirbelte sie zwischen seinen Fingern.
Dann sah er an mir herunter.
„Hey, du hast ja meinen Pulli an!“, stellte er fest, ich errötete.
„Das ist… also letzte Woche als ich bei dir gepennt habe und den ausgeliehen hatte… ich hab den einfach in meine Tasche gepackt, als ich von Ben gegangen bin… ich wollte ihn dir ja wieder geben, es ist nicht so, dass…“
Alex unterbrach mich.
„Behalt ihn, es sieht echt sexy aus, wenn du meine Sachen trägst!“
Mein Herzschlag beschleunigte sich schon wieder.
„Alex...“, flüsterte ich und biss mir danach unsicher auf die Unterlippe.
Er lächelte.
„Wie wäre es, wenn wir ab sofort gar nicht mehr reden?“, murmelte er und beugte sich zu mir. <

Sonntag, 24. September 2017

The Modern Days #57



> Ich wusste nicht mehr recht, was ich sagen sollte. Aber ich konnte Alex davon überzeugen, wieder mit nach drinnen zu kommen, wo es eindeutig wärmer war.
Ich versuchte, einigermaßen meine Fassung wieder zu erlangen und begann zu erklären: „Also Alex. Wir geben jetzt verdammt noch mal nicht auf! Ich erzähl dir was wir machen. Den Tag heute kriegen wir noch rum. Morgen wird uns Boss zu einem Deal schicken. Wir brauchen Drogen und damit kriegen wir Zugang zum Lager. Wir werden sämtliche Ecken nach diesem Zeugs durchsuchen, was meine Schwester…“ ich musste schlucken, „was meine Schwester wohl getötet hat.“
Alex starrte auf den Boden.
Ich fuhr fort.
„Wenn wir das erstmal haben, dann müssen wir es nur noch untersuchen lassen und dann können wir endlich von hier verschwinden! Den Scheiß hinter uns lassen!“
Atmete er überhaupt noch? Ich konnte es nicht sagen.
Es vergingen ein paar Minuten, bis Alex sich schließlich aufsetzte und mit verschleiertem Blick ansah.
„Du hast recht.“
Ich sah ihn mit gerunzelter Stirn an.
„Womit?“
Er seufzte.
„Damit, dass wir jetzt nicht aufgeben können. Ich, wir, wir müssen Amelia rächen. Boss soll büßen für das was er getan hat.“
Ich nickte und bemerkte, wie mein Innerstes langsam wieder warm wurde.
„Da gibt es nur noch ein Problem: Wir können nicht einfach so zur Polizei, ohne genau zu wissen, was in diesem Zeugs überhaupt drin ist. Aber wie bitte sollen wir das herauskriegen? Für mich sieht das alles aus wie Backpulver!“
Daraufhin stand Alex ruckartig auf, er wirbelte sogar Staub auf.
„Camille.“
Ich sah ihn stirnrunzelnd an.
„Camille?“, fragte ich nach, Alex nickte ganz euphorisch.
„Ja verdammt, Camille! Meine Schwester! Warum habe ich daran nicht schon vorher gedacht! Sie hat doch ihre Firma gegründet: Camic. Sie haben ein Partnerunternehmen hier in Deutschland, ich kenne sogar einen ihrer Kollegen dort. Wir müssen uns das Zeugs besorgen, und sie untersuchen das für uns!“, erklärte er ganz sachlich, wobei er deutlich aufgeregt war.
Ich nickte langsam.
„Okay, das könnte tatsächlich funktionieren. So wie ich das im Gemurmel hier mitgekriegt habe, plant Boss morgen den nächsten großen Deal. Das ist unsere Chance! Packen wir das?“
Alex sah mir tief in die Augen, dann nickte er zuversichtlich.
„Ja. Wir müssen!“
Der Tag war so gut wie gelaufen, nachdem wir uns einigermaßen beruhigt hatten und unseren Plan ausgetüftelt hatten.
Tanja hatte eine riesen Portion Käsespätzle gemacht, zu denen wir natürlich nicht nein sagten. Das war perfektes Wohlfühlessen!
Beim Essen ließen wir uns nichts anmerken, was sich aber als recht leicht herausstellte, da David sowieso die ganze Aufmerksamkeit auf sich zog.
Er erzählte, dass er sich gestern Zwillinge aufgerissen hatte, sich die Schwestern aber am Ende nicht entscheiden konnte, wer ihn haben durfte.
Also hatte er zuerst mit der einen, dann mit der anderen geknutscht!
Die Mädels mussten hacke dicht gewesen sein, wenn sie es schon so weit kommen ließen.
Die Käsespätzle machten mich total fertig, Alex und ich gingen schon wieder ziemlich früh ins Bett.
Er telefonierte noch mit Nic, während ich mit Ben schrieb.
Er erzählte mir, dass sein Club momentan wirklich bombastisch lief und er sich freuen würde, wenn ich mit Alex bald mal wieder vorbeischaute.
Ich konnte nur traurig lächeln. Das würde ich sehr gerne machen!
Ben meinte, er hätte noch Unterricht vorzubereiten, deshalb war unser „Gespräch“ recht schnell wieder vorbei.
Alex kam aus dem Badezimmer.
„Ich soll dich von Nic grüßen. Seine blauen Flecken werden allmählich weniger!“, meinte er und setzte sich neben mich aufs Bett.
Ich lächelte.
„Das freut mich!“
Alex gähnte.
„Bist du auch so müde wie ich?“, murmelte er und zog sein Shirt aus.
Es war mir ein Rätsel, warum dieser Typ nicht fror. Aber da ich den Anblick genoß, stellte ich keine Fragen.
Stattdessen nickte ich.
„Und wie. Ein gefühltes Kilo von Tanjas Käsespätzle intus kombiniert mit der nicht sehr langen gestrigen Nacht – ich brauche Schlaf!“
Alex stimmte mir zu, krabbelte über mich, schlüpfte unter die Decke. Ich tat es ihm gleich.
„Gute Nacht Baby!“, murmelte er, ich grinste in mich hinein.
„Gute Nacht.“
Ich schlummerte dahin und versank in tiefe Träume.
Urplötzlich hatte ich das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Meine Brust fühlte sich wie zugeschnürt an, ich schrak hoch. Es muss mitten in der Nacht sein, Mondlicht erhellte das Zimmer.
Panik kroch in mir hoch und ich atmete wie wild, hyperventilierte.
Ich warf die Decke von mir und drückte meine Hände auf mein Herz. Es pochte wie wild.
Warum passierte das nur? 
Luft! Ich brauche Luft!
Auf einmal spürte ich zwei Hände, die sich um meinen Bauch legten und mich an einen bekannten Körper drückten.
„Alice, ganz ruhig. Ich bin hier, es ist alles okay!“
Wärme umgab mich und ich schloss für einen kurzen Moment die Augen, um in mich zu gehen.
Mein Herzschlag normalisierte sich allmählich, ich bekam wieder Luft.
Ich legte meine Hände auf Alexanders Arme, fuhr über seine Tattoos und atmete tief durch.
„Schon wieder der Traum?“, fragte Alex, ich nickte.
Dann drehte ich mich um und rieb mir über die Augen.
„Tut mir leid, dass ich dich geweckt habe…“, meinte ich und seufzte.
„...mal wieder“
Alex schüttelte nur den Kopf.
„Nicht schlimm. Und jetzt versuch, wieder zu schlafen, okay? Wir müssen das morgen durchziehen.“
Ich nickte und ließ mich wieder in die Laken sinken.
Alex legte sich auch wieder hin und zog die Decke über uns.
„Alles okay?“, flüsterte er, ich atmete noch mal tief durch.
Dann nahm ich Alex' Arm, legte ihn um meine Taille und verkreuzte seine Finger mit meinen.
„Ja, alles okay“
Ich schloss die Augen. Doch einschlafen konnte ich beim besten Willen nicht.
„Alex?“, flüsterte ich nach einer Weile.
Ich spürte, wie er über meinen Handrücken strich.                    
„Hm?“
Ich schloss wieder meine Augen.
„Danke. Danke, dass du das mit mir durchstehst!“ <

Donnerstag, 7. September 2017

The modern days #56

> „Sie war viel stärker als ich. Sie wollte kämpfen. Ich habe einfach aufgegeben, hab das Tattoo genommen und bin abgehauen. Und Amelia? Sie hat um ihre Ehre gekämpft. Und um ihr Leben. Ich hätte an ihrer Stelle sterben sollen!“, murmelte Alex und senkte den Kopf.

Ich schniefte und merkte, wie ein paar Tränen über mein Gesicht liefen.
Dann schüttelte ich den Kopf.
„Nein. Alex, sag so etwas nicht! Natürlich will ich nicht, dass Amelia tot ist. Aber das bedeutet nicht im Geringsten, dass du ihren Platz einnehmen solltest! Ich kann dich nicht verlieren...“
Die Tränen hörten nicht auf.
„Du bist stark. Du bist mehr als das. Du kämpfst für Vergeltung und das Recht auf Wissen. Und in dem du kämpfst gibst du mir die Kraft auch zu kämpfen! Du darfst nicht aufgeben! Hörst du? Ich brauche dich!“
Alex hatte mich mehrere Sekunden lang entrüstet angestarrt, dann ist er aus dem Zimmer geflüchtet.
Ich schloss die Augen und ließ meinen Tränen freien Lauf.
Ich wollte nicht mehr stark sein.
Ich wollte diese ganze Geschichte nur noch hinter mich bringen!
Ich ließ mich nach hinten auf das Bett fallen, drehte mich und heulte in ein Kissen.
Die Mascara auf meinen Wimpern bröckelte ab und verschmierte das weiße Laken.
In meinem Kopf herrschte vollkommenes Chaos.
Was genau hatte dieser Dreckskerl Boss mit Amelia angestellt?
Ich krallte meine Finger in die Matratze und wünschte, es wäre sein Gesicht.
Doch meine Kraft wich viel zu schnell, völlig schlapp lag ich einfach nur da und weinte, bis irgendwann keine Tränen mehr kamen.
Gefühlte Tage verbrachte ich damit, einfach im Bett zu liegen und zu hoffen, dass irgendetwas passieren möge.
Dass mich irgendjemand aus dem Zimmer zerren würde und mich ablenken könnte, ganz egal wie.
Und ich hoffte, dass Alex zurückkehrte.
Gleichzeitig redete ich mir ein, dass ich ihn längst hätte suchen sollen. Er machte das hier ebenso durch, wie ich. Und wahrscheinlich geht es ihm noch viel dreckiger, weil er weiß, zu was Boss fähig ist. Ich bin ja an meine Vermutungen gebunden.
Mühsam quälte ich mich aus dem Bett, nahm das Tagebuch und ging ins Bad.
Ich versteckte das Buch hinter dem losen Badezimmerschrank und wagte es erst danach, in den Spiegel zu sehen.
Meine Augen waren gerötet und mein ganzes Gesicht war mit ebenso roten, hektischen Flecken übersäht.
Ich seufzte, stellte den Wasserhahn an und spritzte mir eiskaltes Wasser ins Gesicht und auf das Dekolleté.
Die Kälte tat gut und linderte die heftige Reaktion meiner Haut.
Meine Augen sahen immer noch ein wenig verquollen und gereizt aus, aber ich schüttelte nur den Kopf.
Scheiß egal wie ich aussah, ich musste Alex finden.
Ich kontrollierte das sichere Versteck des Buches und verließ dann das Bad.
Dann nahm ich mir noch meine Weste, ging aus dem Zimmer und machte mich auf den Weg zum Aufenthaltsraum.
Dort traf ich auf David, der mich angrinste.
„Sugar, auf der Suche nach irgendwem?“, fragte er, seine Stimme hatte wie immer einen schmeichelhaften Ton angenommen. Ich nickte nur.
„Hast du Alex gesehen?“, fragte ich, er schüttelte den Kopf.
„Nein, also ja, also nicht direkt. Er ist an mir vorbei gerauscht, dachte vielleicht, ihr beiden habt eine Beziehungskrise oder so...“, antwortete er und zuckte mit den Schultern.
Ich atmete tief durch. Wenn es nur so einfach wäre!
Dann versuchte ich mich an einem Lächeln.
„Weißt du denn, wo er hin geflüchtet ist?“, hakte ich nach, David jedoch schüttelte erneut den Kopf.
„Keine Ahnung Sugar... aber, wenn du jemand zur Ablenkung brauchst, du weißt wo sich mein Bett befindet!“
Ich nickte nur und ging nicht auf seine ekelhaften Kommentare ein. Über Alex‘ Kinnhaken schien er relativ schnell wieder hinweg zu sein…
Dann lief ich zur Küche, wo ich Tanja irgendeinen Teig kneten sah.
Sie schaute auf.
„Ach Alice, ich weiß, wen du suchst! Er sitzt auf der Feuertreppe und macht keinen allzu besonders gut gelaunten Eindruck“, erklärte sie, ohne dass ich auch nur etwas sagen konnte.
Ich nickte nur und verabschiedete mich somit auch.
Dann durchquerte ich die Eingangshalle und eilte mit schnellen Schritten dem Eingang entgegen.
Mit viel Mühe öffnete ich die schwere Tür und trat hinaus in die früh abendliche Kälte
Ich sah mich nach Alex um und fand ihn auf der obersten Stufe zusammen gekauert.
„Du rauchst?“, fragte ich kritisch und setzte mich neben ihn.
Alex seufzte.
„Glaub mir: seit du mir vor wenigen Wochen gesagt hast, ich soll damit aufhören, habe ich das auch gemacht. Wirklich. Aber das alles hier stresst mich so, ich habe etwas zur Beruhigung gebraucht...“
Er nahm einen letzten Zug, schnippte dann den Stummel über die Abgrenzung und blies daraufhin den Rauch in das Abendrot der untergehenden Sonne.
„Weißt du, Nic fehlt mir. Amelias Story schockt mich total und ich fühle mich so schuldig, dass ich nie etwas geahnt habe! Und dass ich dich in all das auch noch mit hinein gezogen habe... ich werde mir das alles nie verzeihen können!“, murmelte Alex und schloss entkräftet die Augen.
Ich musste schlucken.<